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GASTKOMMENTAR: Viele Leute im Private Equity haben große Egos aber keine Deals

Arbeitet dieser Herr in Private Equity? (Foto: Rhonda Montreal)

Arbeitet dieser Herr in Private Equity? (Foto: Rhonda Montreal)

Ich bin im Private Equity (PE) beschäftigt und wundere mich schon manchmal, wie die Egos meiner Kollegen ins Gebäude passen. Die Branche befindet sich inmitten existenzieller Veränderungen, die aber allesamt negativ ausfallen.

Ich selbst besitze kein derart massives Ego. Ähnlich wie die meisten Kollegen habe ich das Banking mit dem Ziel verlassen, viel Geld auf der Buyside zu verdienen. Daher habe ich die Arbeit in einem PE- oder Hedgefonds angestrebt – und nichts anderes. Zu dieser Zeit war ich gerade einmal 30 Jahre alt und wollte meine eigene Insel haben – irgendwo, wo es warm und schick ist.

Ich denke, ich brauche nicht eigens zu betonen, dass mir dies nicht ganz leicht fiel. Oftmals halten wir uns für vorrausschauend, doch als die Kreditkrise eintraf, stellte sich ganz schnell heraus, dass dies nicht der Fall war. Falls wir tatsächlich vorrausschauend gewesen wären, dann würden wir nicht in PE arbeiten.

Denn die traurige Realität lautet, dass es sich bei PE um eine Industrie mit äußerst ehrgeizigen und egozentrischen Leuten handelt, die glauben, dass alles so weiter geht wie gehabt, und die nur sehr langsam erkennen, wie viel sich verändert hat.

PE stand immer im Zentrum der Exitstrategie vieler Banker. Es handelte sich um eine Branche, die voller höchst leistungsfähiger Ex-Banker war, die über lange Zeit sehr viel Geld verdient haben. Doch als die Dinge schiefliefen, wurden die Anzeichen lediglich als Zwischentief gedeutet. Doch mittlerweile scheinen wir in einem Tief gefangen zu sein, von dem aus wir nie wieder auf den Vorkrisenlevel zurückfinden werden.

Denn es handelt sich um eine Tatsache, dass die Zahl der Transaktionen dramatisch gesunken ist. Und ohne Transaktionen gibt es auch keine Zukunft. Dem Dealflow kommt für die interne und externe Weiterentwicklung eine zentrale Rolle zu. Sei es der Wechsel zu einem anderen Fonds oder – besonders ehrgeizig – der Aufbau eines eigenen PE-Fonds.

Bei vielen Fonds handelt es sich um ausgeschlachtete Wracks. Sie haben zu viel Geld ausgegeben und nahmen an, dass eine günstige Refinanzierung der Deals immer gewährleistet bleibe. Wenn Sie sich vergegenwärtigen, welchen Faktor Leverage für das Geschäft spielt, dann schauen die Erträge bei den meisten Fonds aus der unteren Hälfte wenig beeindruckend aus. Daher stellt sich die Frage: Wie viel Schmerz ein Private Equity-Ego noch ertragen kann? Zwar wird niemand hungern, dennoch wird kaum jemand sich eine Zweitwohnung oder ein schickes Auto leisten können und auch mit der Karriere wird es nicht vorangehen.

Unter diesen Umständen scheint die Zeit für einige harte Entscheidungen gekommen zu sein. Wohin soll es in Zukunft gehen? Vielleicht zu einer bescheideneren Branche? Zu einem Aktienfonds? Dafür dürfte es zu spät sein, wenn Sie das einzigartige PE-Anforderungsprofil zu sehr verinnerlicht haben. Doch was dann?

Der Autor arbeitet in Private Equity und hat seine Karriere im Investmentbanking begonnen.

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