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GASTKOMMENTAR: Wieso im Reporting nur Spezialisten heiß begehrt sind

Die Jobaussichten im Reporting sind ausgezeichnet. Doch nicht alle Kandidaten bringen das erforderliche Spezialwissen mit.

Die Jobaussichten im Reporting sind ausgezeichnet. Doch nicht alle Kandidaten bringen das erforderliche Spezialwissen mit.

Die Arbeitswelt im 21. Jahrhundert verändert sich rasanter, als man sich umdrehen kann. Das betrifft alle Bereiche und in ganz besonderer Weise das Personalmanagement in Banken und Versicherungen. Dort geht es heute mehr denn je um die Personalbeschaffung in einem speziellen Bereich: dem des Meldewesens oder besser bekannt als Regulatory Reporting.

Mittlerweile werden Heerscharen von Spezialisten benötigt, um sich gegen die immer komplizierter werdenden Regulierungen im Bankwesen zu wappnen, ganz besonders auf europäischer Ebene. Es gehört eine Menge Sachverstand dazu, um Basel III, CRD IV und CRR zu verstehen, um nur einige zu nennen.

Verursacht durch die Finanzkrise wurde der Markt in den letzten Jahren von freigesetzten Investmentbankern nur so überschwemmt. Das gilt natürlich nicht nur für Deutschland, sondern auch für London als dem europäischen Finanzzentrum überhaupt.

Reporting als Präventivmaßnahme gegen Krisen

Was Banken sowohl in Deutschland, Großbritannien und dem übrigen Europa im Moment dringender denn je brauchen, sind keine Investmentbanker, sondern Spezialisten im Reporting. Den Instituten ist zum Teil noch immer nicht bewusst, was für einen Stellenwert das Reporting mittlerweile hat. Das sollte es aber. Stattdessen ärgern sie sich zunehmend über das Meldewesen, was bei der Vielzahl von regulatorischen Veränderungen, die in der Europäischen Zentralbank, der Europäischen Bankenaufsicht und der Europäischen Kommission entwickelt werden, einerseits nicht verwunderlich ist. Andererseits stellt sich die Frage: Haben Banken diese Entwicklung mit ihrem Geschäftsgebaren nicht selber provoziert?

Reporting gilt immer noch als teuer, kompliziert und lästige Pflicht

Reportingregeln zu implementieren, ist teuer, bindet Ressourcen und wurde in den Jahren vor der Krise und größtenteils auch heute noch als lästiges Abfallprodukt betrachtet. Deshalb tun sich Banken unter anderem schwer, eine dem Fachwissen und der Leistung entsprechende Bezahlung zu offerieren. Sie merken allerdings auch, dass sie diese Politik überdenken müssen. War es vor zwanzig Jahren noch ausreichend, mit Grundwissen im Meldewesen zu glänzen – weil es weniger kompliziert war, braucht man heute fast schon einen juristischen Hochschulabschluss, um die regulatorischen Vorgaben zu verstehen; alternativ verfügt man über mindestens zehn Jahre Berufserfahrung.

Banker, die in den Jahren vor der Krise im Investmentbanking gearbeitet haben, suchen heute – verständlicherweise – nach neuen beruflichen Perspektiven. Manche von ihnen sind der Meinung, man könne mit ein bisschen angelesenem Wissen im Bereich des Meldewesens unterschlüpfen. Andere wiederum versuchen ihr Glück als selbständige Berater und bieten sich Banken als Dienstleister in diesem Bereich an. Das kann nur schiefgehen – in erster Linie für die Banken.

Wissen ist Macht, nichts zu wissen kostet

Banken und natürlich auch Versicherungen haben es in den letzten Jahren eklatant versäumt, sich ihre eigenen Spezialisten heranzuziehen, sprich auszubilden. Das rächt sich heute, denn nicht überall wo Reportingspezialist drauf steht, ist auch Selbiges drin. Zu viele Schaumschläger mit gefährlichem Halbwissen springen auf dem Markt herum. Das macht die Suche für Banken und Versicherungen nicht einfacher, denn der Zeitdruck unter den Finanzdienstleister von den Aufsichtsbehörden gesetzt werden, ist immens.

Das hat politisch motivierte Gründe. Sind die Aufseher, die in den letzten Jahren – mit Verlaub – nur Dorfpolizei gespielt haben, doch nun selber unter Druck geraten. Sie sahen sich nach dem Zusammenbruch des Finanzsystems mit dem Vorwurf konfrontiert, zu lasche oder überhaupt keine Kontrollen durchgeführt und somit ihren Teil zur Krise beigesteuert zu haben.

Nicht umsonst diskutiert man bereits die Installation einer gemeinsamen europäischen Bankenaufsicht.

Die Autorin verfügt über mehr als 22 Jahre Berufserfahrung im Kreditrisikomanagement, der Gesamtbanksteuerung und dem Reporting. 

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