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Wieso der Liikanen-Plan schlecht für Deutsche Bank-Mitarbeiter und im Übrigen unsinnig ist

Der finnische Notenbankchef Erkki Liikanen treibt so manchem Investmentbanker den Angstschweiß auf die Stirn.

Der finnische Notenbankchef Erkki Liikanen treibt so manchem Investmentbanker den Angstschweiß auf die Stirn.

Erst vor einigen Wochen hat Deutsche Bank Co-Chef Anshu Jain angekündigt, bis 2015 die jährlichen Kosten um 4,5 Mrd. Euro senken zu wollen, schon droht der Bank von der EU neue Ungemach: So schlägt die Expertengruppe rund um den Präsidenten der Finnischen Zentralbank Erkki Liikanen ein „Trennbanken-System light“ vor.

Demnach darf zwar das angestammte Universalbanken-System weiterbestehen, allerdings müssen die aus Sicht der Expertengruppe besonders riskanten Geschäftsbereiche vom Privatkundengeschäft abgetrennt und mit einem eigenen Kapitalpuffer versehen werden. Dazu zählen der Eigenhandel sowie das Market Making. Unklar ist jedoch, was tatsächlich hierunter fällt. Denn offiziell haben sich die meisten Investmentbanking – wie auch die Deutsche Bank – aus dem riskanten Handel mit dem eigenen Geld der Bank zurückgezogen.

Laut dem Credit Suisse-Analysten Amit Goel sollen die Auswirkungen indes gravierend ausfallen: „Wir denken, dass die Investmentbanken der Eurozone – besonders die Deutsche Bank und möglicherweise auch einige französische Banken – vor dem Hintergrund der Vermögen in ihren Handelsbüchern am stärksten von den potenziellen Veränderungen betroffen sind.“

Höhere Kapitalkosten schmälern Gewinne

Durch die Trennung können sich die betroffenen Investmentbanken nicht mehr so günstig über ihr Privatkundengeschäft refinanzieren, sondern müssen auf marktübliche Konditionen zurückgreifen. Der Frankfurter Finanzprofessor Jan Pieter Krahnen, das einzige deutsche Mitglied der Expertengruppe, beziffert den zusätzlichen Kapitalbedarf auf das Doppelte des aktuellen Eigenkapitals. Dies würde immerhin auf einen zweistelligen Milliardenbetrag hinauslaufen.

Als Folge davon würden die Kapitalkosten kräftig ansteigen, was so manches kapitalintensives Geschäft unwirtschaftlich werden ließe. Dies dürfte nahezu zwangsläufig zu einem weiteren Abbau von Geschäftsfeldern und Arbeitsplätzen führen.

So konstatiert das renommierte Bankenanalystenteam von J.P. Morgan Cazenove rund um Kian Abouhossein zwei negative Auswirkungen des Liikanen-Plans: „a) der Bereich der von dem Schutzwall umgebenen Aktivitäten umfasst mehr als nur den Eigenhandel, da auch Teile des Market Making-Geschäfts möglichweise betroffen sind, und b) würde die strenge Interpretation der Refinanzierungen des Handelsgeschäftes zu Marktkonditionen die Erträge verringern.“ Kurz: Neben Basel III würde der Liikanen-Plan die Rentabilität von Teilen des Investmentbankings weiter schmälern.

So heißt es von den J.P. Morgan-Analysten weiter: „Die Unsicherheit über die finanziellen Folgen und die Implementierung in die nationale Gesetzgebung wird unserer Meinung nach auch weiterhin auf der Performance der Deutschen Bank und der französischen Banken lasten.“

Tatsächlich torpedieren die Pläne zu einer teilweisen (Liikanen-Plan) oder weitergehenden (Volcker-Rule) Abtrennung des Investmentbankings vom Rest des Konzerns die Strategie der Deutschen Bank. Schließlich hatte der Branchenprimus sich nach der Lehman-Pleite ganz bewusst dazu entschieden, das margenschwache Retailgeschäft der Postbank zu übernehmen und in den Konzern zu integrieren. Denn mit dem Geld der Millionen Kleinsparer kann sich der Bankenriese auch refinanzieren, wenn die Kapitalmärkte ausgetrocknet sind wie die Sahara im Hochsommer.

Und genau dieses Schicksal ist vielen Landesbanken und der Hypo Real Estate während der Krise zum Verhängnis geworden. Denn nach der Lehman-Pleite wollte niemand mehr diese Institute refinanzieren, womit sie dem Steuerzahler zur Last fielen. Dabei hat kaum eines dieser Institute – ganz im Sinne von Liikanen und Volcker – über ein größeres Filialgeschäft verfügt.

Wandelanleihen könnten Boni schmälern

Doch abgesehen von den Vorschlägen zu einem „Trennbankensystem light“ hält der Liikanen-Plan auch noch weiteren Sprengstoff für die Beschäftigten parat. So weisen die J.P. Morgan Cazenove-Analysten darauf hin, dass  künftig ein Teil der Boni in sogenannten „bail-in“-Anleihen gezahlt werden könnten.

Dabei dürfte es sich um eine Form von Anleihen handeln, die bei einer Krise der Bank zwangsweise in Eigenkapital – in Aktien also – umgewandelt werden. Damit würden die Mitarbeiter also im Krisenfall ganz oder teilweise diesen Bonusanteil verlieren.

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