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KOMMENTAR: Weshalb Irland nicht wie Island enden wird

Kein Weg führt an dieser Erkenntnis vorbei: Abgesehen von Island wurde kein Land von der Bankenkrise schwerer getroffen als Irland. Hier dauert sie am längsten, ist hausgemacht und hat die schwerwiegendsten Auswirkungen auf die restliche Wirtschaft.

Die Kosten für die Rettung der betroffenen irischen Banken nähert sich der 50 Mrd. Euro-Marke, nachdem die Regierung immer mehr Geld in Anglo Irish, Allied Irish Bank und Irish Nationwide hineinpumpen musste. Von den relevanten Kreditinstituten konnten sich lediglich die Bank of Ireland und Irish Life & Permanent der staatlichen Kontrolle entziehen.

Die Neuverschuldung des Landes beläuft sich mittlerweile auf 32 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, womit es sich um das zehnfache der Maastricht-Kriterien handelt. Als Folge der Kapitalspritze für die Banken hat die Ratingagentur Fitch die Bonität Irlands bei der langfristigen Verschuldung auf AA- herabgesetzt und andere Ratingagenturen haben ähnliche Schritte angekündigt.

Die Arbeitsplatzverluste sind nicht besonders brutal ausgefallen

Dabei sollte nicht vergessen werden, dass die irische Bankenkrise bereits seit Ende 2008 am Brodeln ist. In Anbetracht der massiven Verluste, die seither aufgelaufen sind, hätten die meisten Finanzdienstleister rund um den Globus bereits beherzt die Axt an den Personalstamm angelegt.

Dennoch sollten sich Beobachter nicht täuschen. Die Banker bei den heimischen Instituten sind demoralisiert. Der verschärfte Einstellungsstopp und das Einfrieren der Gehälter seit 2008 bedeuten, dass niemand vorankommt. Dennoch ist der Stellenabbau bislang verhältnismäßig gering ausgefallen.

Bei Anglo, dem größten Opfer der Krise, ist die Mitarbeiterzahl seit März 2009 von 1753 Beschäftigten um 393 oder 22 Prozent eingebrochen, die zu dieser Zeit beschäftigt worden waren. Relativ gesehen handelt es sich hierbei um den heftigsten Einschnitt.

Dagegen ist die Mitarbeiterzahl bei AIB seit Juni 2009 um 700 gefallen, womit es sich um einen kleinen Bruchteil aller Mitarbeiter handelt, und auch die 7500 Entlassungen, die von der Bank of Ireland angekündigt worden sind, stellen lediglich einen kleinen Anteil aller Beschäftigten dar.

Schätzungen zufolge sind bei den beiden größten Banken 3300 Mitarbeiter seit Krisenbeginn gegangen. Zusammen mit dem Abbau von 3000 Jobs bei ausländischen Instituten bedeutet dies, dass der Markt empfindliche Einbußen verkraften musste. Allerdings dürfte der Hauptteil des Stellenabbaus noch bevorstehen. Anglo wird bald nur ein Schatten seiner selbst sein. Auch die Schrumpfkur bei AIB könnte tausende an Jobs kosten und die Zukunft von Irish Nationwide steht in den Sternen.

Die (vagen) Hoffnungsschimmer

Die meisten Banken haben auch weiterhin eingestellt, was jedoch lange übersehen wurde. So mussten Abgänge ersetzt werden, die für die Aufrechterhaltung der Geschäftstätigkeit von entscheidender Bedeutung sind. Auch Zeitarbeitskräfte wurden angeheuert, um die ausgedünnten (und überarbeiteten) Reihen der Angestellten in den meisten Bereichen zu ergänzen.

Insbesondere als die Banken ihre toxischen Wertpapiere an die öffentliche Bad Bank “National Asset Management Agency” (Nama) transferiert haben, mussten Spezialisten hierfür angeworben werden. So beschäftigt beispielsweise Anlgo Irish 92 Beschäftigte in ihrer Bad Bank.

Dennoch sollte betont werden: Obgleich die Situation alles andere als rosig für Irlands Banken ausschaut, liegt der gesamte Finanzdienstleistungssektor des Landes keinesfalls in Trümmern.

Laut einer neuen Studie des Vale Columbia Centre on Sustainable International Investment ist die Attraktivität Irlands für ausländische Direktinvestitionen – paradoxerweise – durch die gegenwärtige Krise sogar gestiegen.

Dies spiegelt auch das Bullishe Sentiment rund um den Dubliner Finanzdistrikt und die Chance auf neue Stellen wider. Insbesondere wächst die die Fondsindustrie wieder. Nach einem Einbruch der Mitarbeiterzahlen im vergangenen Jahr um 7 Prozent ist die Beschäftigung in der Fondsbranche wieder auf über 9000 im laufenden Jahr laut den Daten der Investment Fund Industry Employment Survey gestiegen.

Zweifelsohne hat der irische Bankensektor immer noch viel Fett angesetzt, weshalb mit einem weitergehenden Stellenabbau in der näheren Zukunft zu rechnen ist. Doch der Finanzdienstleistungssektor des Landes ist genügend diversifiziert, um nicht wie Island zu enden.

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