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GASTKOMMENTAR: Weshalb die Karrierewebseiten der Banken reinste Märchen sind

Es war einmal eine Bank, wo nur die Leistung zählte, alle nett zueinander und multikulti waren. (Foto: Jerry)

Es war einmal eine Bank, wo nur die Leistung zählte, alle nett zueinander und multikulti waren. (Foto: Jerry)

Niemand im Banking hatte jemals einen „besten Tag im Leben“, wie es so manche Karrierewebsite suggeriert. Tatsächlich versorgen uns diese Websites nicht mit wichtigen Karriereinformationen, sondern präsentieren uns ein Märchen, auf das Harry Potter-Erfinderin JK Rowling stolz sein könnte.

Denn der Berufsalltag, der dort beschrieben wird, gleicht dem täglichen Auf und Ab im Investmentbanking ebenso wenig, wie Hogwarts einer Hauptschule in einem sozialen Brennpunkt. Falls Sie auch nur einen Moment darauf hereinfallen, dann sollten Sie sich nicht schämen. Denn wir alle sind darauf irgendeinmal hereingefallen. So habe ich den Hindernisparcours des Absolventenrecruitments und das Ausbildungslager eines Traineeprogramms bei einer der größten und renommiertesten Banken der Welt durchgemacht, wodurch ich erst im Nachhinein die Doppeldeutigkeit der sorgfältig konstruierten Recruitment-Maschine erkannt habe.

Schon das Hütchenspiel – wobei eine Kugel unter drei Bechern verschwindet – lebt von den falschen Vorstellungen und Schwächen seiner Opfer. So wollen wir an die Hochglanzfotos und die optimistischen Interviews mit den Jungbankern glauben. Denn wir wollen, dass es auf einem festgelegten Weg die Karriereleiter hinaufgeht. Wir möchten glauben, dass sich die Kugel unter einem der Becher befindet, solange wir nur hart genug arbeiten. Im Grunde sind wir die Dummköpfe, wenn wir darauf hereinfallen.

Schon ein flüchtiger Blick auf die Karrierewebsites der Banken  zeigt mir, dass sich nichts geändert hat. Hier nur einige Fehldarstellungen:

Das Klischee vom Teamgeist

Sie wären schon reichlich dumm, wenn Sie glauben würden, dass die Banken nicht voller streitender Gruppen sind, was durch den alljährlichen Kampf um Boni, den Selbsterhaltungstrieb und den Druck, den Job zu behalten, angetrieben wird. Dabei handelt es sich um ein Nullsummenspiel: Umso mehr die anderen bekommen, desto weniger bleibt für Sie übrig. Umso mehr Kosten in anderen Teams eingespart wird, desto weniger wird es in Ihrem Team sein. Falls Sie jemand davon zu überzeugen versucht, dass es um den Teamgeist allein ginge, dann sind Sie in diesem Schachspiel das Bauernopfer. Andere gewinnen auf Ihre Kosten.

Fröhliche, lachende Gesichter

Sobald Sie mit dem Recruitmentprozess begonnen haben, sei es auf einem Campusevent oder während oder eines Vorstellungsgesprächs in einer Springweek, dann werden Sie feststellen, dass Banker nicht viel zu lachen haben. Denn Banken sind keine Orte der Glückseligkeit. Falls sie einen Arbeitsplatz suchen, wo Sie fürs Lächeln bezahlt werden, dann sollten Sie sich bei Starbucks bewerben.

Die Fotos von Bankern gleichen einer Benetton-Anzeige

Nicht einmal bei US-Banken herrscht „Diversity“, wie man uns glauben machen möchte. Vielmehr gelten die üblichen Stereotypen: Viele Asiaten arbeiten in der IT oder im Backoffice, während die Weißen Stellen in M&A und Sales  haben.

Alle sehen ausgeschlafen und gesund aus

Dabei handelt es sich womöglich um die gröbste Fehldarstellung. Auf den Recruitment-Websites hat niemand dunkle Ränder unter den Augen oder zu viel Pfunde auf den Hüften. Doch der normale überarbeitete Banker hat beides.

Alle sind so jung

Jungbanker kommen und gehen. Doch die Faustregel lautet, dass die berufserfahrenen Banker dominieren. Denn umso länger Sie es geschafft haben, in dem Unternehmen zu bleiben, desto höher ist Ihre Chance, dass Sie auch weiterhin dort bleiben.

Ein nettes und angenehmes Arbeitsumfeld

Dies trifft nicht auf meine Erfahrung zu. So erlauben sich Banker gelegentlich böse Scherze, nur um die Spannung bei direkten und brutalen Gesprächen zu brechen. Das habe ich schon am ersten Tag meines Praktikums erfahren und die Lektion habe ich seither gelernt.

Wer wirklich wissen will, wie der Arbeitsalltag im Banking aussieht, sollte sich mit Freunden unterhalten, die dort arbeiten. Dabei handelt es sich wahrscheinlich um die einzige Möglichkeit, sich über die Vor- und Nachteile des Jobs zu informieren.

Der Autor arbeitet in Private Equity und hat seine Karriere im Investmentbanking begonnen.

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