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GASTKOMMENTAR: Wie die Arbeit im Banking mein Leben bedrohte und ich ausstieg

Matt-Farr1

Die Arbeit in den Finanzdienstleistungen bringt lange Arbeitszeiten, eine sitzende Tätigkeit und oftmals eine Menge Stress mit sich. Dennoch ist es nicht ganz korrekt, dass dieser Arbeitsstil automatisch zu schlechter Gesundheit führt. In meinem Fall lag hoher Blutdruck allerdings in der Familie.

Dennoch war es für mich  ein Schock, wie früh ich davon betroffen wurde. Ich war Ende 20 und zu einem Routinebesuch bei meinem Arzt, nur um einige Impfungen für eine Reise nach Thailand zu erhalten, als er einen zu hohen Blutdruck von 160 zu 110 diagnostizierte. Er sagte mir, dass ich meinen Lebensstil sofort ändern müsse oder ich riskierte einen Herzinfarkt mit Mitte 30. Dies stellte für mich einen Weckruf dar.

Zu dieser Zeit arbeitete ich bei einer großen Bank in den Vereinigten Arabischen Emiraten als Fixed Income-Trader, wo ich drei Jahre zuvor nach einiger Zeit bei Bloomberg in London hingezogen war. Die Arbeitszeiten waren hart und die Arbeit stressig. Ich muss allerdings gestehen, dass ich mich niemals motivieren konnte, ins Fitnessstudio zu gehen.

Ich wusste nicht, was ich anstellen sollte, um mich fit zu halten. Dennoch sah ich eine Sendung im Fernsehen über das Besteigen von Kletterwänden in Dubai und dachte, dass ich das auch versuchen könne. Nachdem ich mich einige Wochen abgerackert hatte, kam eine Trainerin zu mir und fragte mich, was ich da genau machen würde. Sie sagte mir, dass ich über keine besondere körperliche Stärke verfüge und meine Fitness klar verbesserungswürdig sei.

Sie schlug mir den Besuch des Mount Everest-Basislagers in Nepal vor, um in Form zu kommen. Dies erwies sich als großartige Idee, denn so gelangte ich zur Erfahrung mit echten Bergen und es verbesserte meine Fitness. Ich kam mit zehn Kilo weniger auf den Rippen zurück. Zurück in Dubai, fing ich an zu laufen und mich fit zu halten.  Ich fragte mich, wie ich mit dem Bergsteigen weiter kommen könne und wollte einen zweiten Trip unternehmen.

Bei dem zweiten Trip  nach Nepal handelte es sich geradezu um eine Offenbarung: Der Aufenthalt im Basislager stellte eigentlich nur einen Urlaubsspaziergang dar. Dieses Mal bestieg ich tatsächlich einen 6600 Meter hohen Berg und sah, wie der Mount Everest vor mir in den Himmel ragte.  Dies war der Funken, der meine Leidenschaft für das Bergsteigen entzündete, wobei die Rückkehr zur Arbeit meine Begeisterung ein wenig dämpfte.

Es brauchte immer noch einen Anstoß, damit ich das Banking aufgab – allerdings handelte es sich mehr um eine Kombination von Faktoren. Zunächst wurde mir ein neuer Job in der Restrukturierung von Fremdkapital in einer Boutique angeboten. Falls ich dieses Angebot annehmen sollte, würde mich dies für die nächsten Jahre festlegen – dachte ich. Dabei handelt es sich offensichtlich nicht um einen Zwang, dennoch sah ich mich ethisch hierzu verpflichtet.

Ich entschloss mich, meinen Job aufzugeben und das neue Angebot abzulehnen, bevor ich mich entschlossen haben würde, was ich machen wolle. Dabei kann ich jedem, der mit dem Gedanken spielt, das Banking zu verlassen, nur zum Sparen raten. Denn die Branche zahlt sehr gut und meine Ersparnisse ermöglichten mir einen recht komfortablen Lebensstil, bis ich meinen neuen Weg gefunden hatte.

So bin ich jedes Jahr nach Nepal gereist und bestieg immer abenteuerlichere Berge, wobei ich immer denselben Bergführer hatte. Wir haben uns angefreundet und nachdem ich ihm meine Situation erklärt hatte, erzählte er mir, dass er schon immer sein eigenes Erlebnis-Unternehmen aufziehen wollte und es machte tatsächlich Sinn zusammenzuarbeiten. Auf diese Weise entstand Mountain Quests.

Es mag sich etwas seltsam anhören, ein Bergurlaubsunternehmen in Dubai aufzumachen, aber das Emirat ist sehr unternehmerfreundlich und es gibt innerhalb des Golf Kooperationsrates eine große Community von Expats, die sich für Erlebnisurlaube begeistern können.

Bei der Arbeit in den Finanzdienstleistungen handelt es sich um etwas, das ich nie wieder machen werde – das Kapitel ist für mich abgeschlossen.

Matt Farr ist der Geschäftsführer von Mountain Quests, einem Unternehmen für Abenteuerurlaube in Dubai.  

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