☰ Menu eFinancialCareers

GASTKOMMENTAR: Die ewige Frage – wie viel Geld brauchen Sie, um in den Ruhestand zu gehen?

Wie viel Geld benötigen Sie, um in den Ruhestand zu gehen? Dabei handelt es sich um die immer wiederkehrende Frage, die von meinen Kollegen und mir in den frühen Phasen unserer Karriere in der Londoner City gestellt wurde. Schon die Tatsache, dass wir diese Frage diskutieren, legt nahe, dass unsere Jobs nicht wirklich erfüllend sind. Doch niemand von uns erlag der Illusion, dass es irgendeine andere Motivation für unsere tägliche Plackerei gebe, als den Wunsch schnellstens so viel Geld anzuhäufen, wie irgend möglich.

Wir behandelten die Arbeitszeit in der Quadratmeile, als würde es sich um eine Gefängnisstrafe handeln … jemand, dem es gelang, nach zehn Jahren herauszukommen, hatte eine zehnjährige Strafe verbüßt und wer mit 50 das Spiel noch mitmachte, galt als Lebenslänglicher.

Ich, und viele aus meinem “inneren Kreis des Vertrauens” waren frustrierte Künstler und Wissenschaftler. Wir hatten unsere Seele an die City verkauft, nur weil die nadelgestreiften Dämonen uns das beste Angebot unterbreitet hatten. Wir wussten sehr wohl, dass das Leben kurz ist und dass das Abrackern mit Tabellenkalkulationen oder das Gespräch mit unerträglichen Kunden nicht dasjenige sind, womit wir unsere Jahre auf diesem Planeten verbringen wollten. Aber wir sind einen Handel mit dem Mammon eingegangen. Du kannst einiges von unserer Jugend haben, aber nur wenn unsere späteren Jahre wirklich frei und froh sein würden.

In 1998 haben wir uns zusammengesetzt und versucht, eine Zahl festzuzurren, die es uns erlauben würde, ein vernünftiges Leben mit einigen größeren Extravaganzen ohne finanzielle Sorgen zu führen, bis wir diese sterbliche Hülle verlassen. Obgleich es Meinungsverschiedenheiten über die Höhe des erforderlichen Nettovermögens gab, (das Bruttovermögen abzüglich aller Verbindlichkeiten wie z.B. Hypotheken) stimmten wir alle einer Summe von 2,5 Mio. Pfund (2,9 Mio. Euro) zu.

Dafür, so rechneten wir aus, würden wir uns ein anständiges Haus in London leisten können (700.000 Pfund, 800.000 Euro) sowie eine kleine Bude auf dem Lande (300.000 Pfund, Euro, 345.000 Euro). Weiter gingen wir von einer jährlichen Performance nach Steuern von 5 Prozent auf die verbliebenen 1,5 Mio. Pfund (1,7 Mio. Euro) aus, was einen jährlichen Ertrag von 75.000 Pfund ausmacht (86.000 Euro). Zusammen mit dem Einkommen von 25.000 Pfund (29.000 Euro), die Sie und Ihr Partner mit Kleinkram erwirtschaften, kommen Sie auf ein jährliches Nettoeinkommen von 100.000 Pfund (115.000 Euro), ohne Ihr Kapital anzugreifen.

Sicherlich können Sie sich keinen Ferrari leisten, zu oft geschieden werden oder Ihre Kinder in die teure Privatschule Eton schicken. Dennoch können Sie endlos reisen, schöne Weine trinken, regelmäßig in Restaurants essen und müssen keinen Penny zweimal umdrehen.

Im Februar 2008 – sieben Jahre später als ursprünglich geplant – im Alter von 35 Jahren – erreichte mein Vermögen diese magische Zahl und ich ging. Obgleich die Performance meines Kapitals aufgrund der schwachen Märkte bislang negativ ausfiel, handelte es sich doch um die beste Entscheidung, die ich jemals getroffen habe.

Die Hauptrolle des Geldes sollte darin bestehen, Ihnen Freiheit zu verschaffen, das zu machen, was immer Sie wollen. Das endlose Streben nach immer glänzenderen Reichtümern kreiert lediglich einen goldenen Käfig, der Sie gefangen hält und Ihre Freude auf die Zeit verschiebt, wenn Sie nicht mehr fit und gesund genug sind, um sie zu genießen.

Es mag sich um ein Klischee handeln, doch es trifft zu: niemand auf dem Todesbett wünscht sich, längere Zeit im Büro verbracht zu haben.

Geraint Anderson in der Autor von “Cityboy – Geld, Sex und Drogen im Londoner Finanzdistrikt”. Seine Website finden Sie hier.

Kommentare (0)

Comments

Antworten

Pseudonym

Pflichtfeld

E-Mail

Ungültige E-Mail-Adresse

Alle Informationen zu unseren Community-Richtlinien finden Sie hier