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Die Crux mit den Boni

Gut 80 Prozent der Deutschen halten die hohen Bonuszahlungen im Finanzsektor für unanständig. Das belegen diverse Umfragen. Aber auch der Ruf von Bankern könnte kaum schlechter sein. Unbeliebter als Investmentbanker sind in Deutschland nur Prostituierte und Vorbestrafte, hat das Meinungsforschungsinstitut Emnid unlängst herausgefunden. Und die jetzt bekannt gewordene Klage von mehr als 70 Londoner Investmentbankern der Commerzbank-Tochter Dresdner Kleinwort dürfte daran wenig ändern.

Trotzdem wird es auch in Zukunft keine Bonus-Höchstgrenzen geben. Am Wochenende konnten sich die Finanzminister und Notenbankchefs der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer (G20) lediglich auf strengere Boni-Regeln einigen. Limits wird es aber – vor allem dank der Extra-Bratwürste für die Finanzplätze in New York und London – nicht geben.

Statt dessen sollen Boni für kurzfristige Erfolge erschwert werden. Künftig kassieren Banker vor allem für nachhaltige Gewinne Prämien. Damit läuft die Politik – wieder einmal – der Wirtschaft hinterher. Denn Häuser wie die UBS haben solche Lösungen – wenn auch nur dank des Drucks der Öffentlichkeit – längst eingeführt. Und die Ankündigung, nach Möglichkeiten zu suchen, bereits bezahlte Boni wieder zurückzufordern, wird wohl auch nie Realität werden. Sie muss es auch nicht, so lange Aufsichtsräte gescheiterter Topmanager privatrechtlich in Haftung nehmen – wie es Unternehmen wie Siemens gerade vormachen.

Experten schütteln aber selbst über die abgespeckten Absichtserklärungen der Politik den Kopf. “Es mag durchaus sinnvoll sein, der Branche zu signalisieren, dass auch ihre Vergütungssysteme künftig einer stärkeren Kontrolle unterliegen”, sagte Katharina Bertram, Partnerin der Rechtsanwaltskanzlei CMS Hasche Sigle dem Handelsblatt. Der Aktionismus, den die deutsche Regierung in dieser Frage an den Tag lege, sei aber recht befremdlich.

So sei die ursprüngliche Forderung nach einer Limitierung der Bonuszahlungen an Bankangestellte schon aus verfassungsrechtlichen Gründen bedenklich und auch der Sache nach nicht sinnvoll.

Auch Alexander von Preen, Geschäftsführer der Managementberatung Kienbaum, kann sich der Zeitung zufolge für allzu rigide Beschränkungen des Bonussystems nicht erwärmen. “Wir leben noch immer in einer Marktwirtschaft mit der Möglichkeit, Verträge frei zu verhandeln, und mit Eigentümerrechten, die es zu wahren gilt.” Auch wenn die öffentliche Meinung derzeit in eine andere Richtung tendiere, seien variable, leistungsbezogene Vergütungsbestandteile im Finanzwesen wichtig und richtig.

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