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Wie die Krise für einen Jobboom im Consulting sorgt

Brain in jar

In der Bankenbranche herrscht derzeit die Nacht der langen Messer: Fast täglich werden neue Einschnitte beim Personal angekündigt. So bekräftige die Deutsche Bank erst am Dienstag, die jährlichen Kosten um die Kleinigkeit von 4,5 Mrd. Euro zusammenzustreichen. Dagegen wird im Consultancy rund um Banken und Versicherungen händeringend nach Personal gesucht. Der Markt erlebt einen kleinen Boom.

„Besonders gesucht werden Berater mit fünf bis acht Jahren Berufserfahrung“, ergänzt Headhunter Andreas Christl, der bei Talentspy in München u.a. für Consultancy zuständig ist. Einerseits wäre in der zurückliegenden Krise nicht genügend Nachwuchs rekrutiert worden, womit es jetzt auch an erfahrenen Consultants für Senior-Positionen mangle. Andererseits würden oft Consultants nach einigen Jahren Berufserfahrung aus der Beratung ausscheiden. Darüber hinaus sind viele Banken bei Neueinstellungen derzeit überaus restriktiv, womit mehr Aufgaben an externe Berater vergeben werden.

Personalkarrussell im Consulting verstärkt Nachfrage

Laut dem auf Consulting spezialisierten Headhunter Aleksander Montalbetti aus Frankfurt werde auf allen Senioritäts-Leveln nach Personal gesucht. „Da gab es in der jüngsten Zeit sehr viele Wechsel“, erzählt der Experte. Doch wenn aufgrund der hohen Nachfrage nach Consultants, jemand sich zu einem Wechsel entschließt, hinterlässt er eine Lücke, die wiederum geschlossen werden muss. Auf diese Weise wird gewissermaßen ein Personalkarrussell in Gang gesetzt.

Wachsende Regulierung als Jobmotor

Laut Christl stellt die verschärfte Regulierung  der Finanzdienstleistungen geradezu einen Jobmotor für Consultants dar, da hierfür Kompetenzen in Risikomanagement, Controlling etc. erforderlich seien. Weiter würden diverse Banken ihre Geschäftsmodelle überarbeiten bzw. in einer Restrukturierung stecken, womit eine große Anzahl von Strategieberatern, Experten in der Post-Merger-Integration und in der Überarbeitung von Geschäftsmodellen erforderlich sind. „Auch IT-Consultants sind sehr gefragt. Bei den Banken besteht noch ein hoher Bedarf in der Integrierung von IT-Systemen“, ergänzt Christl.

Weitgehend abgeschlossene Dresdner Bank-Übernahme sorgt für Beruhigung

„Zu Zeiten der Megaintegration der Dresdner Bank in die Commerzbank – die bis zu 2000 externe Berater beschäftigte – wurde beinahe jedes Profil an Beratern eingestellt. Damals war der Markt wie leergefegt“, erinnert sich Montalbetti. Gegenwärtig wird selektiver nach Beratern, die neben den Consulting- und Projektmanagement-Skills über ein bankfachliches Wissen verfügen, Ausschau gehalten.

Solvency II und kriselnde Geschäftsmodelle beflügeln Nachfrage aus der Versicherungsbranche

Eine wachsende Nachfrage beobachtet Christl auch in der Versicherungsbranche. „Versicherungen sind thematisch eine andere Welt als Banking. Berater aus dem Banking können daher nicht einfach für Versicherungen arbeiten“, erläutert Christl. Da die Versicherungen in der Vergangenheit weniger Aufträge an Consultants vergeben hätten, sei die Zahl der erfahrenen Berater im Versicherungswesen signifikant niedriger als im Banking.

Doch auch hier bestehen beste Berufschancen für die Consultants für Risikomanagement, Accounting und Controlling. Dabei spiele die Umsetzung der neuen EU-Liquiditätsrichtlinie Solvency II für die Versicherungswirtschaft eine besondere Rolle. Doch auch für die Produktentwicklung und in strategischen Bereichen bei Versicherungen werden laut Christl Consultants gesucht. Gleiches gilt für das IT- und Prozessmanagement.

Ein Ende des Trends ist nicht abzusehen

Die gleiche Beobachtung macht auch Montalbetti. Vor dem Hintergrund, dass der Versicherungssektor nicht nur vor weitreichenden aufsichtsrechtlichen und regulatorischen Veränderungen steht, sondern auch ein verschärfter Wettbewerb und damit einhergehend, eine Marktkonsolidierung stattfinden wird, sorgt die Versicherungswirtschaft für eine große Nachfrage nach Beratern.

„Da herrscht ein enormer Bedarf an Prüfern und Consultants, denn die Branche hat nicht nur mit aufsichtsrechtlichen und regulatorischen Änderungen zu kämpfen, sondern auch mit der Umgestaltung ihrer strategischen Ausrichtung sowie der Optimierung ihrer Organisation“, resümiert Montalbetti. Um seine geschäftliche Zukunft macht sich der Headhunter jedenfalls keine Sorgen: „Ich blicke entspannt auf das nächste Jahr. Ich habe eher die Schwierigkeit, die passenden Kandidaten zu finden.“

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