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Die Giftliste der Strategie 2015+: Wie sich die Deutsche Bank gesundsparen will

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Jetzt liegt die Giftliste der Deutschen Bank auf dem Tisch und sie hat es in sich: Die „Strategie 2015+“ sieht innerhalb von drei Jahren Einsparungen von 4,5 Mrd. Euro vor – jährlich wohlgemerkt. Allerdings wollten die beiden neuen Chefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen bei dem Investorentag  am heutigen Dienstag (11. September) noch nicht verraten, wie viele Stellen dies genau kosten wird. Man wolle den Verhandlungen mit dem Betriebsrat nicht vorgreifen. Dennoch wollen wir Ihnen hier die gefährlichsten Inhaltsstoffe der Giftliste 2015+ vorstellen:

Das Backoffice muss mehr bluten als das Frontoffice

Von dem Einsparungsvolumen von 4,5 Mrd. Euro entfallen 2,8 Mrd. auf die Geschäftseinheiten (Frontoffice) und 1,7 Mrd. auf die Infrastruktureinheiten (Backoffice). Da die Kostenbasis in den Infrastruktureinheiten indes deutlich niedriger ausfällt als im Frontoffice, gehen die Einschnitte hier tiefer. So sollen in der Infrastruktur allein 23 Prozent der Aufwendungen wegfallen, dagegen sind es im Frontoffice gerade einmal 16 Prozent. Dabei will die Bank die Synergien steigern und die IT-Kosten senken.

1,9 Mrd. werden im Investmentbanking gestrichen

Von den einzelnen Geschäftsbereichen kreist der Rotstift am heftigsten bei Corporate Banking & Securities (CB&S). Dort sollen bis 2015 die jährlichen Kosten um 1,9 Mrd. Euro heruntergefahren werden, wovon 1,1 Mrd. aufs Frontoffice und weitere 0,8 Mrd. auf die dazugehörigen Infrastruktureinheiten (Backoffice) entfallen.

Bis 2015 will die Bank die Aufwand-Ertrag-Relation von 71 Prozent in 2011 auf unter 65 Prozent in 2015 zusammenstreichen.  Innerhalb von drei Jahren strebt die Deutsche Bank eine Verringerung der risikogewichteten Assets in ihrem Investmentbanking von 244 Mrd. auf unter 200 Mrd. Euro an. Damit  rückt natürlich auch die einst vom früheren Bankchef Josef Ackermann propagierte Eigenkapitalrendite von 25 Prozent (in der Gesamtbank) in weite Ferne. Selbst in ihrem Investmentbanking begnügt sich der deutsche Branchenprimus künftig mit unter 15 Prozent.

700 Mio. werden im Asset Management gestrichen

Das Asset und Wealth Management will die Deutsche Bank fortan vom Privat- und Geschäftskundengeschäft abtrennen und als eigenständige Geschäftseinheit führen. Darin schlägt sich auch die gescheiterte Veräußerung von wichtigen Teilen des Asset Managements nieder. In dem Bereich will die Deutsche Bank ihre jährlichen Kosten um 700 Mio. Euro verringern, wovon 400 Mio. auf das Frontoffice und 300 Mio. auf die dazugehörigen Infrastruktureinheiten entfallen.

In den Bereich will die Deutsche Bank auch ihr Geschäft mit passiven Anlagestrategien wie den ETFs einbringen, die bislang im Investmentbanking angesiedelt sind. Darüber hinaus will sich das Institut im Wealth Management verstärkt auf ultrareiche Klientel (UHNWI) und Schwellenländer konzentrieren und bläst damit zum Angriff auf die Domäne der Schweizer Großbanken UBS und Credit Suisse, die ebenfalls versuchen, mit ihrer Kompetenz im Investmentbanking bei den Superreichen punkten zu können.

400 Mio. Euro muss das Global Transaction Banking beisteuern

Im Global Transaction Banking werden Finanzierung und Zahlungstransfers für den expandieren Welthandel abgewickelt. Daher konnte die Deutsche Bank hier kontinuierlich steigende Gewinne einstreichen. Dennoch sollen auch hier 400 Mio. Euro eingespart werden, die jeweils zur Hälfte vom Frontoffice und von den Infrastruktureinheiten bestritten werden. Auf diese Weise will das Unternehmen seine Gewinne vor Zinsen und Steuern (IBIT) in der Sparte auf etwa 2,4 Mrd. Euro verdoppeln.

1,5 Mrd. Euro werden im Filialgeschäft gestrichen

Im personalintensiven Geschäft mit Privat- und Geschäftskunden will die Deutsche Bank insgesamt 1,5 Mrd. Euro einsparen. Davon entfallen 1,1  Mrd. auf die Filialmitarbeiter und 400 Mio. Euro auf die Infrastruktureinheiten. Namentlich will der Branchenprimus die Integration der Postbank in den Konzern vorantreiben.  Damit soll die Aufwands-Ertrags-Relation von 68 Prozent in 2011 auf etwa 60 Prozent in 2015 fallen und der Gewinn vor Zinsen und Steuern von 2 Mrd. auf 3 Mrd. Euro steigen.

Noch weniger Bonus und teilweise erst nach fünf Jahren

Als besonders positive wertete die Bank, dass der Anteil der variablen Vergütungen im Vergleich zum Reingewinn sich von 22 Prozent in 2006 auf 11 Prozent in 2011 halbiert hat. Diesen Weg will die Deutsche Bank fortsetzen. So heißt es in einer Unternehmensmitteilung: „Die Bank wird nicht nur die Höhe der Boni im Verhältnis zum wirtschaftlichen Erfolg verringern, sondern auch den Zeithorizont für die Auszahlung der Boni für das Topmanagement verlängern. Vorgesehen ist eine Einmalzahlung nach fünf Jahren anstelle gestaffelter Auszahlungen über drei Jahre hinweg.“ Damit können im Falle eines Fehlverhaltens bis zu 100 Prozent des Bonuses eines Topbankers nachträglich gestrichen werden.

Weiter will das Institut seine Vergütungsstruktur künftig von einem externen Gremium kontrollieren lassen. „Dieses Panel wird aus führenden Vertretern der Wirtschaft, Wissenschaftlern und Vergütungsexperten bestehen. Die Empfehlungen des Panels werden schon die Jahresvergütung für 2012 beeinflussen“, heißt es in der Unternehmensmitteilung weiter. Man darf gespannt sein, wer in der Kommission sitzen wird.

Kleiner Trost: Die Bank sieht Deutschland als Wachstumsmarkt

Nach der langen Liste von Giften hatte das Institut für seine Mitarbeiter in Deutschland lediglich ein leichtes  Beruhigungsmittel parat. So rechnet die Deutsche Bank mit einem sinkenden Geschäft in Europa, dem Mittleren Osten und Afrika. Dies bedeutet natürlich auch, dass dort besonders kräftig auf die Kostenbremse getreten werden dürfte. Lediglich in Deutschland – als der größten Wirtschaft in EMEA – will der Bankenriese weiter wachsen. Damit dürften tendenziell mehr Stellen in London als in Frankfurt wegfallen.

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