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GASTKOMMENTAR: Wie ich ein Praktikum bei Goldman Sachs erhielt

Girl Banker

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Im Dezember habe ich sieben Bewerbungen für Praktika abgeschickt. Darauf erhielt ich Anfang 2004 eine Menge von Absagen, aber auch Zusagen. Nachdem mein Selbstbewusstsein von den Absagen getroffen wurde, habe ich mich entschlossen, dies als ihren Verlust zu werten. Um mich besser zu fühlen, redete ich mir ein, dass ich abgelehnt wurde, weil ich eine ausländische Studentin war und sie sich nicht mit einer Arbeitsbewilligung abplagen wollten.

Der Recruitment-Prozess bei Goldman Sachs

Am besten erinnere ich mich an das Bewerbungsverfahren bei Goldman Sachs, weshalb ich dies hier vorstellen möchte. Da die Universität Cambridge zu den bevorzugten Anlaufpunkten für das Goldman Sachs-Recruitment zählt, kamen sie auch auf mich zu. Goldman Sachs mietete für einen Tag viele Räume in einem Hotel an und lud Leute für einen Eignungstest und ein Vorstellungsgespräch ein. Als ich im Hotel ankam, traf ich auf eine Menge anderer Leute, die ebenso gut qualifiziert waren wie ich. Innerhalb von 15 Minuten wurden wir in einen Prüfungsraum begleitet. Soweit ich mich erinnere, stellte der Test hohe logische und numerische Anforderungen. Einige der Antworten lagen absolut nicht auf der Hand und Taschenrechner waren verboten.

Nach 30 bis 45 Minuten wurden wir in einen Warteraum geführt und nacheinander zu Vorstellungsgesprächen gerufen. Einige fanden sogar in Hotelzimmern statt. Ich wurde in einen Raum geführt, wo zwei Leute aus dem Geschäft mit Anleihen, Währungen und Rohstoffen mit mir sprachen. Ich erinnere mich, wie ich gefragt wurde: „Wir würden Sie dieses Hotel bewerten?“  Ich konnte mich ganz gut schlagen, obwohl ich dachte, dass sie in der ersten Runde kein technisches Zeug abfragen sollten. Bei dem restlichen Vorstellungsgespräch ging es um Fachfragen. Ich war mit dem Vorstellungsgespräch zufrieden und mit dem Eignungstest sogar sehr zufrieden.

Eine Woche später erhielt ich eine Einladung zu einer zweiten Runde von  Vorstellungsgesprächen in den Räumen von Goldman Sachs in der Londoner Fleet Street. Goldman Sachs nimmt Diversity sehr ernst. Neben der Einladung zur zweiten Runde, wiesen sie mich darauf hin, dass sie ein kostenloses Interviewcoaching-Programm für Leute mit afrikanischen und karibischen Wurzeln anböten.  Da ich noch zu haben war, meldete ich mich sofort dafür an.

Dabei nahm in an zwei Coaching-Sitzungen teil: Bei einer Gruppe ging es um ein Rollenspiel und bei der anderen um ein Vieraugengespräch, in der ein ehemaliger Praktikant die Qualität meiner Antworten beurteilte. Das Coaching stärkte mein Selbstbewusstsein beträchtlich. Bei der zweiten Vorstellungsgesprächsrunde nahmen Leute von verschiedenen Universitäten teil – sowohl Spitzen- als auch normale Unis. Als erstes wurde ich zu einem Gespräch mit einem chinesischen Partner eingeladen, das zweite fand mit einer irischen Lady statt und das dritte mit zwei Männern, deren Hintergrund mir entfallen ist.

Bei dem Gespräch mit dem chinesischen Mitarbeiter patzte ich bei der ersten Frage. „Erzählen Sie mir, welcher Zeitungsartikel kürzlich Ihr Interesse geweckt hat?“, fragte er mich. Ich beantwortete die Frage, indem ich Details von einem M&A-Deal erzählte, der wochenlang die Schlagzeilen der Financial Times beherrschte. Davon war er nicht allzu beeindruckt und fragte mich, warum eine solche stinknormale Transaktion jemanden interessieren könne. Seiner Meinung nach war es zu gewöhnlich, um aufregend zu sein und er sprach von einigen Geschichten, die er für interessanter hielt.

Danach konnte es nur besser werden. Ich verbrachte den Rest des Gespräches damit, den Chinesen für mich zu gewinnen und am Ende hatte ich den Eindruck, dass mir das gelungen wäre. Die irische Lady war indes sehr nett, doch ebenso furchteinflößend. Sie betrachtete mich so, als ob sie sich bei mir nicht sicher wäre und sie legte jeden meiner Sätze auf die Goldwaage.

Das dritte Gespräch mit den beiden Männern lief am besten. Ich hatte von Anfang an einen guten Draht zu den beiden. Sie zeichneten einen  Wirtschaftskreislauf an die Tafel, notierten einige Branchen und fragten mich, an welcher Stelle des Kreislaufs die jeweiligen Branchen Gewinne machen würden. Als Wirtschafstudentin lag mir diese Frage. Etwa eine Woche später erhielt ich die Zusage zu einem Praktikum.

Hierbei handelt es sich um einen überarbeiteten Auszug aus „To become an Investment Banker“ von Girl Banker Heather Katsonga Woodward.

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