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Absturz der Deutschen Bank: Wieso um Jobabbau und geringere Vergütungen kein Weg vorbei führt

Die Spannung steigt unerbittlich. Am 11. September wird das neue Duo an der Spitze der Deutschen Bank, Anshu Jain und Jürgen Fitschen, auf einem Investorentag in Frankfurt die revidierte Strategie für den Bankenriesen vorstellen. Damit dürfte endgültig der Schlussstrich unter die Ära Josef Ackermann gezogen werden, der von 2002 bis 2012 die Geschicke des deutschen Branchenprimus lenkte.

Einen Vorgeschmack gab Jain schon einmal bei der Vorstellung der jüngsten Quartalszahlen: Demnach werden 1900 Stellen gestrichen, wobei allein 1500 auf das Investmentbanking entfallen. Auch für die angekündigte Überarbeitung der Vergütungsstrukturen dürften sich die Sekretariate der Chefetage schon einmal mit Rotstiften eingedeckt haben. So wurde jetzt bekannt, dass die Deutsche Bank künftig ihre Rückforderungsansprüche an Mitarbeiter, die sogenannten Clawbacks, im Falle eines schlechten Geschäftsverlaufs auch auf Bonusansprüche ausdehnen will, die neueingestellte Mitarbeiter von alten Arbeitgebern mitbringen.

Dabei müssen Jain und Fitschen das Ruder tatsächlich herumreißen. Denn die Trends bei wichtigen Geschäftsergebnissen zeigen bereits seit der Jahrtausendwende abwärts. Ein gutes Beispiel stellt der Personalaufwand pro Kopf dar: 2011 ließ die Bank für jeden Mitarbeiter durchschnittlich etwa 130.000 Euro springen – in diesem Jahr dürfte es kaum besser ausfallen. Dabei handelt es sich um einen der schlechtesten Werte seit der Jahrtausendwende. Zwar drückt  die Postbank-Übernahme in 2010 rein rechnerisch auf die Durchschnittsgehälter, andererseits vermindert die Inflation langfristig die Kaufkraft der Vergütungen.  Nur ein Beispiel: Der Personalaufwand pro Kopf lag im Jahr 2000 noch bei 150.000 Euro – also 20.000 Euro über den heutigen Werten – und damals galt ISDN  noch als schnelle Internetverbindung.

Quelle: Geschäftsberichte. Ergebnisse für 2012 aus erstem Halbjahr fortgeschrieben.

Interessanterweise zeigt sich bei den Vorsteuergewinnen pro Kopf zwar eine ähnliche – aber keinesfalls eine identische Entwicklung. So ließ die Bank für ihre Mitarbeiter beispielsweise in 2001 über 154.600 Euro springen, während der Vorsteuergewinn bei mageren 21.000 Euro lag. Dagegen erwirtschafteten die Mitarbeiter in 2011 durchschnittlich immerhin gut 53.000 Euro, obgleich die Mitarbeiter schwächer entlohnt wurden.

Quelle: Geschäftsberichte. Ergebnisse für 2012 aus erstem Halbjahr fortgeschrieben.

Bemerkenswert ist auch die Kostenertragsquote der Deutschen Bank. Seit 2010 muss das Institut für jeden Euro Ertrag etwa 80 Cent aufwenden, was ziemlich genau auf dem Niveau der ersten drei Jahre des neuen Jahrtausends liegt. Dies stellt für die Mitarbeiter gewiss keine Entwarnung dar. Denn mit einer Aufwandsquote von rund 80 Prozent  liegt die Deutsche Bank im Branchenvergleich sehr hoch. Falls Jain und Fitschen die Profitabilität der Bank nachhaltig verbessern wollen, muss die Quote kräftig gedrückt werden – zumal derzeit steigende Erträge nirgendwo in Sicht sind.

Quelle: Geschäftsberichte. Ergebnisse für 2012 aus erstem Halbjahr fortgeschrieben.

Im Investmentbanking sind die Kosten einfach zu hoch: Also müssen die Vergütungen runter

Falls man die Boomphasen des Corporate und Investmentbankings (CIB) von 2005 bis 2007 und den immensen Verlust nach der Lehman-Pleite in 2008 herausnimmt, scheint die Vergütung in der Sparte bislang nicht wesentlich gelitten zu haben. 2003 strichen die Investmentbanker durchschnittlich 328.300 Euro ein und in 2011 332.700 Euro. Von tiefen Einschnitten oder einem Systemwechsel kann keine Rede sein. Doch vielleicht muss Jain dies jetzt nachholen. Dies dürfte zu den interessantesten Fragen zählen, die am 11. September hoffentlich beantwortet werden.

Quelle: Geschäftsberichte. Ergebnisse für 2012 aus erstem Halbjahr fortgeschrieben.

Angesichts der Entwicklung der Gewinnsituation im Investmentbanking dürfte dem deutschen Branchenprimus auch keine andere Wahl bleiben. So wird der Vorsteuergewinn pro Kopf in 2012 wahrscheinlich unter 200.000 Euro liegen – abgesehen vom Krisenjahr 2008 ist dies der schlechteste Wert innerhalb von 10 Jahren.

Quelle: Geschäftsberichte. Ergebnisse für 2012 aus erstem Halbjahr fortgeschrieben.

Die Aufwandsquote der CIB lag im vergangenen Jahr bei 76 Prozent – was im Branchenvergleich recht hoch ausfällt. Wenn die CIB ihre Rolle als Goldesel der Deutschen Bank erhalten will, dann sollte  dieser Wert dauerhaft unter 70 Prozent fallen.

Quelle: Geschäftsberichte. Ergebnisse für 2012 aus erstem Halbjahr fortgeschrieben.

Reformbedarf im Filialgeschäft und im Asset Management

Im Vergleich zu der Achterbahnfahrt bei den Investmentbanking-Vergütungen scheint sich der Personalaufwand pro Kopf im Filial- und Asset Management-Geschäft (PCAM) bei gut 90.000 Euro einzupendeln. Das Maximum wurde hier bemerkenswerterweise 2009 mit 101.700 Euro erreicht – also im ersten Jahr nach der Lehman-Pleite.  Mit der Übernahme der Postbank ist der durchschnittliche Personalaufwand – rein rechnerisch – um etwa 10 Prozent gesunken.

Quelle: Geschäftsberichte. Ergebnisse für 2012 aus erstem Halbjahr fortgeschrieben.

Bei den Gewinnen in PCAM besteht reichlich verbesserungsbedarf – allerdings haben die meisten Banken in Deutschland mit der mageren Profitabilität des Filialgeschäfts zu kämpfen. Das Geschäft ist zwar weniger schwankungsanfällig als das Investmentbanking, doch beim Vorsteuergewinn pro Kopf scheint es auch in diesem Geschäftsbereich langfristig bergab zu gehen.  Es stellt sich die Frage, ob die Deutsche Bank hierbei die erhoffte Trendwende gelingt.

Quelle: Geschäftsberichte. Ergebnisse für 2012 aus erstem Halbjahr fortgeschrieben.

Fazit: Die Kosten müssen runter

Auch wenn der Gelduntergang während der Staatsschuldenkrise weiterhin ausbleiben sollte,  werden die Erträge im Banking lange nicht mehr so sprudeln wie vor 2008. Dazu tragen die wachsenden Eigenkapitalanforderungen, die steigenden Kosten aufgrund von mehr Regulierung ebenso bei wie eine schwache Entwicklung der Weltwirtschaft. Mithin kann die neue Strategie von Jain und Fitschen nur bei den Kosten ansetzen – zumal die Kostenertragsquote mit 80 Prozent im Branchenvergleich klar zu hoch ausfällt. Da die Personalkosten hier üblicherweise das Gros ausmachen, stehen den Mitarbeitern der Deutschen Bank stürmische Zeiten bevor.

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