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GASTKOMMENTAR: Achtung Dolchstoß – welche Gefahren beim Networking lauern

Death in the FX market

Death in the FX market

Gleich zwei Mal habe ich in den zurückliegenden zwölf Monaten mit Networking schlechte Erfahrungen gesammelt, was mich beängstigt. So kann es sich nach allgemeiner Vorstellung beim Networking niemals um etwas Schlechtes handeln. Es erlaubt Ihnen, an neue und manchmal sogar Insider-Informationen heranzukommen, die Sie zu Ihrem eigenen Vorteil nutzen können. Auf diese Weise finden Sie neue Karrierechancen und erhalten wertvolle Ratschläge von Leuten mit mehr Berufserfahrung oder einem anderen Hintergrund.

Nach eigenen schlechten Erfahrungen kann ich diese Einschätzung nicht teilen. Denn oft ist Networking mit lästigen Nebenwirkungen verbunden. Manchmal folgen die Ratschläge mehr den Zielen und Interessen desjenigen, der sie erteilt, als demjenigen, der sie erhält. Im wirklichen Leben wie an den Märkten tendieren Eingriffe in ein komplexes System dazu, unerwartete und oftmals auch unerwünschte Folgen zu haben.  Eine Reihe von Geschichten aus meiner eigenen Karriere illustriert dieses „Gesetz der unerwünschten Folgen“:

Wie ich von einem früheren Kollegen über den Tisch gezogen wurde

Bei Tim handelt es sich um einen blitzgescheiten Managing Director. Als ich in M&A arbeitete, war Tim mein Vorgesetzter.  Er war hart, sehr erfolgreich und kletterte die Karriereleiter durch einige sehr schnelle Beförderungen hinauf, indem er machiavellistische Machtstrategien nutzte und Vordenker bei einigen großen Deals war.

Aus irgendeinem Grund ist Tim niemals ins Private Equity gewechselt. Vielleicht hat er einfach nur den richtigen Zeitpunkt verpasst und jetzt ist er zu alt dafür. Zwischenzeitlich hatte Tim die Großbank verlassen, für die wir beide einst gearbeitet hatten und baute seine eigene Investmentbanking-Boutique auf.

Anscheinend lief es bei mir besser als bei Tim. Denn ich wechselte ins Private Equity. Allerdings zählte der Laden, in den ich einstieg, nicht zu den besten. Dort herrschte ein Machtkampf an der Spitze, was den Associates wie mir wenig Freude bescherte.

So oder so kontaktierte ich Tim vor einem Jahr, um ein wenig Networking zu betreiben.  Ich wollte seine Meinung einholen. Sollte ich ins Banking zurückkehren oder lieber doch auf der Buyside bleiben?  Zu diesem Zeitpunkt erhielt ich zahlreiche Angebote von Banken aus der der zweiten und dritten Reihe. Ich brauchte nur zuzugreifen.

Tim dachte darüber gründlich nach (rückblickend vielleicht ein wenig zu gründlich)  und riet mir, dort zu bleiben, wo ich war. Ich dankte ihm für seinen Rat und wir verabschiedeten uns. Doch dies war noch nicht das Ende der Geschichte. Denn vor einigen Wochen erhielt ich Anrufe von Tim. Ob wir nicht  Meetings mit meinem Boss ansetzten könnten, um über einige Deals zu sprechen, die bei uns gerade liefen – gewissermaßen als Gegenleistung für seinen Rat. Nein, das konnten wir nicht.

Indem Tim mir riet, nicht ins Banking zurückzukehren, hoffte er, einen Insider-Kontakt  bei einem Private Equity-Fonds gefunden zu haben.  Mit seinem Rat wollte er überdies als Gegenleistung den Kontakt zu den Führungskräften in meinem Unternehmen erhalten. Aus Tims Sicht handelte es sich gewissermaßen um eine Win-win-Situation.

Wie ein so genannter Freund mir einen Job abjagen wollte

Stuart ist ein sehr guter Management-Consultant. Er zählt zu der Art Mensch, die andere Berater als „prozessgetrieben“ und „detailorientiert“ bezeichnen würden. Unglücklicherweise fehlte ihm etwas, was man auch nur vage als Persönlichkeit bezeichnen könnte. Obgleich Stuart ein so großartiger Berater war, hasste er das Consulting leidenschaftlich. Als ich mit Ihm sprach, war mir dieser Umstand nicht bewusst. Auch wusste ich nicht, dass Stuart zu einem mittelgroßen Private Equity-Fonds abspringen wollte – ähnlich dem, für den ich arbeite.

Allerdings mangelte es Stuart an jeglicher Investment-Erfahrung. Der Berater bei einem Deal zu sein, ersetzt keinesfalls, einen solchen Deal selbst durchzuführen.

Wie dem auch sei, ich setzte einige Meetings mit ihm auf. Stuart wollte wissen, ob ein Funds, für den er einige wichtige Projekte betreut hatte, tatsächlich einstellt.

„Leider scheint das nicht der Fall zu sein. Denn nach der Weise, in der sie uns mit Aufträgen versorgen, bin ich mir ziemlich sicher, dass sie Personal abbauen und Aufgaben an uns outsourcen“, erzählte ich. Ich verfügte übe sehr  gutes Hintergrundwissen übe den Fonds und teilte es ihm mit. Ich vertraute Stuart und begnügte mich mit seinem Wort, diese Informationen nicht zu missbrauchen.

Später erfuhr ich, dass Stuart einen Job bei demselben Fonds als Associate hatte. Dabei handelte es sich um eine Stelle, für die ich eigentlich perfekt geeignet gewesen wäre. Doch irgendwie gelang es ihm, mich abzuschütteln (und vielleicht noch einige andere, die für die Stelle mehr Erfahrung mitgebracht hätten), und sich selbst den Job zu sichern.

Mit diesen beiden Beispielen möchte ich nur sagen, dass beim Networking auch widerstreitende Interessen involviert sein können. Darüber sollten Sie sich bewusst sein.

Der Autor hat sowohl im Investmentbanking als auch in Private Equity gearbeitet.

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