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Julius Bär + Merrill Lynch: Welche Auswirkungen die Übernahme auf Mitarbeiter haben wird

Julius Bär-Chef Boris Collardi will das Wealth Mangement von Bank of America Merrill Lynch. (Montage: eFinancialCareers.ch)

Julius Bär-Chef Boris Collardi will das Wealth Mangement von Bank of America Merrill Lynch. (Montage: eFinancialCareers.ch)

Jetzt ist es amtlich. Julius Bär will für voraussichtlich 860 Mio. Franken das Wealth Management-Geschäft von Bank of America Merrill Lynch außerhalb der USA und Japans übernehmen. Durch den Schritt hofft die Schweizer Privatbank ihre Assets under Management um bis zu 72 Mrd. auf 341 Mrd. Franken aufzustocken, wovon zwei Drittel aus den Wachstumsmärkten in Asien, dem Mittleren Osten und Lateinamerika stammen, wie das Unternehmen am heutigen Montag (13. August) mitteilte.

„Diese Akquisition stellt eine seltene Gelegenheit dar, ein internationales und rein auf die private Vermögensverwaltung konzentriertes Geschäft von bedeutendem Umfang zu übernehmen. Sie wird unsere Geschäftsaktivitäten in Europa sowie in unseren wichtigen Wachstumsmärkten in Asien, Lateinamerika und dem Mittleren Osten deutlich vergrößern“, frohlockte Julius Bär-Verwaltungsratspräsident  Daniel J. Sauter.

Damit setzen sich die Zürcher gleich an die Spitze von zwei Trends, die derzeit branchenweit zu beobachten sind. Zum einen wollen viele Wealth Manager durch Größenvorteile, die wachsenden Kosten und geringeren Erträge infolge der Finanzkrise kompensieren. Zum anderen versuchen die Schweizer Privatbanken, ihr Geschäft in den wachstumsstarken Schwellenländern zu stärken.

Viele Branchenbeobachter sind weniger erfreut

Doch die Freude über den Deal ist nicht ungetrübt, wie die Kommentare aus dem Internet belegen. So schreibt ein Leser auf dem Branchenportal finews.ch: „Peinlich, peinlich, Herr Collardi. Ihr Größenwahn und die bekannten Probleme (Kultur, IT, Brokerage-Margins) werden auch die letzte traditionelle Schweizer Privatbank ins Verderben stürzen.“

Ein weiterer ergänzt: „Schweizer Private Banking zu kombinieren mit US-Trader Mentalität hat bisher nie funktioniert. Hier treffen unvereinbare Kulturen aufeinander. Diese Erfahrungen haben bereits diverse Schweizer Banken UBS, CS etc. hinter sich. Jung-CEO Boris Collardi interessiert dies wohl nicht. Die Wahrscheinlichkeit eines weiteren großen Flops ist damit relativ hoch.“ Derartige Kommentare verwundern kaum, denn die Folgen dürften für die Mitarbeiter gravierend ausfallen:

1. Runter mit den Kosten: Stellenabbau nicht ausgeschlossen

Drei Jahre nach dem Zusammenschluss strebt Julius Bär eine Kostenertragsquote von 65 bis 70 Prozent sowie eine Marge vor Steuern von über 35 Basispunkten an. Das Problem dabei: Sowohl Julius Bär als auch Merrill Lynch sind hiervon zu Teil weit entfernt:

Die Zürcher Privatbank allein erzielte zwar im ersten Halbjahr eine Kostenertragsquote von 70 Prozent und ein Marge von 30 Basispunkten – was in der Schweizer Branche nicht schlecht ist, doch bei den Amerikanern sieht es ganz anders aus. Dort liegt die Kostenertragsquote bei 105 Prozent und die Marge bei unter 0 Basispunkten. Mit anderen Worten: Obgleich die Amerikaner stark in den Schwellenländern sind, produzieren Sie Verluste. Denn das Geschäft in vielen Schwellenländern ist wachstumsstark, aber margenschwach. Um hier die Trendwende zu erreichen, dürfte Julius Bär nichts anderes übrig bleiben, als die Kosten zusammenzustreichen und Mitarbeiter vor die Tür zu setzen.

2. Doppelstrukturen beseitigen I: Kahlschlag in Niederlassungen

Erster Schritt bei Akquisitionen besteht in der Beseitigung von Doppelstrukturen. Folglich besteht ein erhöhtes Risiko für alle Mitarbeiter an den 13 Standorten, an denen beide Wealth Manager präsent sind: Genf, London, Paris, Mailand, Monaco, Dubai, Singapur, Hongkong, Tel Aviv, Grand Cayman, Santiago de Chile und Montevideo.

3. Doppelstrukturen beseitigen II: Kahlschlag im Backoffice

Auch im Bereich Operations müssen Kosten gedrückt werden, sollte die Übernahme ein Erfolg werden. Für Integration und Restrukturierung rechnet Julius Bär erst einmal mit Kosten von insgesamt 400 Mio. Franken, wovon etwa ein Fünftel allein auf die IT entfallen. Nach der Vereinigung auf eine Plattform dürfte weniger IT-Personal erforderlich sein.

4. Die Boni dürften purzeln

Historisch gesehen stehen die Erfolgschancen von Großübernahmen und Fusionen eher schlecht. Mal ganz abgesehen, ob dies auch für den Deal von Julius Bär zutrifft, flüchten zunächst einmal die Anleger aus den Aktien. Mithin stürzte Julius Bär im Vormittagshandel um über 5 Prozent ab, obgleich sich der SMI kaum bewegte. Darüber hinaus will die Bank zur Finanzierung der Übernahme Kapitalmaßnahmen ergreifen, was den Kurs weiter verwässern dürfte. Für alle Mitarbeiter, die noch Bonuszahlungen in Aktien oder aktienbasierten Instrumenten erwarten, stellt dies eine schlechte Aussicht dar.

5. Geldsegen für Schlüsselpersonal

Doch es gibt nicht nur schlechte Nachrichten für die Mitarbeiter, sondern auch gute:  Von dem besagten Paket von 400 Mio. Franken reserviert die Bank 30 Prozent oder 120 Mio. Franken für Anreize zur Erhaltung von „Relationship Managern und anderem Schlüsselpersonal, die mit der Integration und dem Asset-Transfers verbunden sind.“ Im Klartext will Julius Bär damit verhindern, dass die bisherigen Relationship Manager von Merrill Lynch im Zuge der Übernahme die Flucht ergreifen und wertvolle Kundenvermögen abziehen. Die angestammten Julius Bär-Mitarbeiter dürften von dem Geldsegen indes nur wenig abbekommen.

6. Geldsegen II für Consultants, Rechtsberater und andere Dienstleister

Für alle Dienstleister, die von derartigen Fusionen und Übernahmen leben, stellt der Deal von Julius Bär und der Bank of America Merrill Lynch einen Glücksfall dar. So hat das Institut 25 Prozent des Pakets oder 100 Mio. Euro für alle möglichen Consultants, Rechtsanwälte und temporäre Arbeitsverträge vorgesehen, um die Akquisition zu stemmen.

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