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Wie die Psyche Ihre Jobsuche ruiniert und wie Sie dies vermeiden können

Brain in jar

Arbeiten Sie in einem Job, der O.K., aber nicht großartig ist? Warten Sie schon seit vielen Jahren, dass sich die Situation auf dem Markt verbessert und Sie sich um einen neuen Job bemühen können? Haben Sie sich schon nach Alternativen umgesehen und sind dabei gescheitert, etwas Besseres zu finden? Hegen Sie den Eindruck, dass Sie nicht weiterkommen? Sicher, die Situation auf dem Arbeitsmarkt ist trist, doch vielleicht gibt es noch ein weiteres Problem als die Abwesenheit von Chancen. Vielleicht steht Ihnen Ihre eigene Psyche Ihrer Jobsuche im Weg.

Der Endowment-Effekt

Ein großes Problem stellt der sogenannte Endowment-Effekt dar (deutsch: Besitzeffekt). Dabei handelt es sich um unsere Tendenz,  Güter höher einzuschätzen, die wir bereits besitzen, als diejenigen, die wir nicht besitzen. Im vorliegenden Fall handelt es sich um Ihren aktuellen Job.

Sicherlich ist hierin auch ein rationales Element enthalten. Denn der Besitzeffekt ist mit Risikoaversion verbunden. So kennen Sie die Risiken Ihrer aktuellen Stelle ganz genau. Falls Sie in eine neue Funktion wechseln, wollen Sie für das zusätzliche Risiko eine Entschädigung erhalten. Doch der Besitzeffekt kann Ihre Jobsuche auch auf eine Weise beeinflussen, die Ihren Interessen zuwiderläuft.

Wie das Vorurteil der Such-Reihenfolge Ihre Wahrnehmung beeinflusst

2007 stellte der Psychologe E. J. Johnson von der Columbia University Business School seine These von der Such-Reihenfolge auf. Demnach bringen Verkäufer während eines Geschäfts unbewusst Gründe vor, das fragliche Gut zu behalten.

Im Falle Ihres Jobs bedeutet dies, dass schon der geringste Gedanke an eine Jobsuche Sie dazu führt, die Vorteile Ihres alten Jobs herauszustreichen. Falls Sie umgekehrt selbst etwas kaufen (also nach einem neuen Job suchen), achten Sie vermehrt auf die negative Aspekte der neuen Stelle. Dies kann zu unangemessenen Entscheidungen führen. Somit schätzen Sie Ihren aktuellen Job besser ein als die potenziellen Alternativen – und fordern daher irgendeine Kompensation für einen Wechsel.

Die Restriktionen bei der Jobsuche behindern Sie dabei, alle Alternativen in Betracht zu ziehen

Aufgrund des schwierigen Umfelds fallen die Folgen des Besitzeffekts in diesem Jahr besonders schwerwiegend aus. Denn dabei dreht es sich nicht nur darum, wie wir unsere Güter einschätzen. Vielmehr beeinflusst dieser Effekt bereits unsere Informationssuche.

Thorsten Pachur und Benjamin Scheibehenne von der Uni Basel haben ein Experiment durchgeführt, wie der Besitzeffekt die Art und Weise beeinflusst, wie wir nach Alternativen suchen. In ihrem Experiment sollen Leute Preise nennen, zu denen sie Lotteriescheine kaufen oder verkaufen würden. Dabei wurden die Gewinnchancen nicht offengelegt, doch den Teilnehmern wurde erlaubt Versuche zu unternehmen, um auf den Wert der Tickets zurückschließen zu können. Dabei konnten Sie die Tests abbrechen und eine neue Lotterie starten, wann immer sie wollten.

Pachur und Scheibehenne fanden heraus, dass der Punkt, an dem die Teilnehmer die Versuche abbrachen und eine neue Lotterie starteten davon abhing, ob sie als Käufer oder Verkäufer auftraten. Die Verkäufer beendeten die Versuche, sobald sie einen hohen Preis erzielen konnten, und die Käufer, sobald sie einen niedrigen Preis erlangten. Für die Jobsuche lässt sich hieraus folgern, dass Sie damit aufhören, sobald Sie eine Stelle gefunden haben, die sich auszahlt. Auf der anderen Seite werden die Arbeitgeber bzw. Recruiter ihre Kandidatensuche einstellen, sobald sie jemanden gefunden haben, der sein Geld wert zu sein scheint.

Wie Sie Ihre eigene Psyche austricksen

Wie können Sie vermeiden, dass Ihre Psyche Sie an dem Finden eines neuen und besseren Jobs hindert?

1. Ihre Vorurteile bei der Jobsuche können Sie überwinden, indem Sie sich ganz bewusst darauf konzentrieren, was Sie gerade denken. Stellen Sie eine Liste über Ihre Vorurteile zusammen, lernen Sie sie auswendig und lesen Sie sie, bevor Sie ins Bett gehen. Damit stellen Sie sicher, dass Ihr Geist sich nicht allzu sehr auf die Vorteile Ihres altbewährten Jobs konzentriert.

2. Die Restriktionen bei der Jobsuche können Sie bewältigen, indem Sie sich ganz bewusst alle potenziellen Alternativen anschauen – und nicht nur diejenigen, die sich finanziell auszahlen. Achten Sie darauf, dass Sie eine ganze Reihe von Alternativen berücksichtigen – und zwar auch jene, bei denen das Gehalt zunächst gering ausfällt, aber Entwicklungsmöglichkeiten bestehen. Unterdrücken Sie Ihren Drang, Ihre Bemühungen einzustellen, sobald Sie einen Job mit einer guten Bezahlung gefunden haben. Unter den gegenwärtigen Verhältnissen führt Sie möglicherweise keine dieser Strategien zu Ihrem Traumjob, doch diese Tipps werden Ihnen dabei helfen, dass Ihre Psyche Sie nicht immer wieder zu Ihrem alten Job zurückführt.

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