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GASTKOMMENTAR: Über den Horror, einen hilfsbedürftigen Praktikanten zu haben

Diese kleine Boa hat offensichtlich noch kein Schwein verspeißt.

Diese kleine Boa hat offensichtlich noch kein Schwein verspeißt.

Wie ein Baby-Schwein im Darm einer Boa Constrictor arbeitet sich die globale Finanzkrise langsam durch die Finanzdienstleistungsbranche hindurch. Dieser Prozess wird leider auch nicht durch die Hoffnungen und Träume einiger begeisterter 22jähriger beschleunigt, die ins Banking einsteigen wollen.

Einerseits war es noch nie so schwer, ein Praktikum in eine Absolventenstelle zu verwandeln. Die Beschäftigung ist auf breiter Front geringer, altgediente Banker werden gefeuert und das Letzte, woran die Management-Teams von Investmentbanken denken, ist eine Erhöhung der Neueinstellungen. Andererseits müssen Unternehmen jedes Jahr ein Minimum von ein oder zwei Neueinstellungen vornehmen – gleich wie schlecht die Geschäfte laufen. Dabei verbreitet sich die Erkenntnis, dass eifrige Nachwuchsbanker eine günstige Lösung darstellen.

Entgegen der allgemein vorgetragenen Geschäftigkeit ist das Arbeitsaufkommen aufgrund des Sommerlochs eher bescheiden. Die eingeschüchterten Kunden sitzen am Strand und  erholen sich vom Stress der zurückliegenden sechs Monate des Jahres. Banker versuchen möglichst beschäftigt auszusehen, um ihre Jobs zu behalten. Doch wenn man ehrlich ist, dann läuft gerade nicht viel. Falls Sie in diesem schwierigen Umfeld ein Praktikant sind, dann ist das Schlimmste, was Sie machen können, als hilfsbedürftig zu erscheinen.

Als Praktikant mögen Sie manchmal der Versuchung erliegen, nach Arbeit zu fragen  (wenn nichts anliegt), ein Feedback zu erhalten (wenn niemand in der Stimmung ist, es Ihnen zu geben), sich mit den Kollegen anzufreunden (wenn niemand neue Freunde braucht). Das sollten Sie unterlassen. Hören Sie auf die kleine Stimme in Ihrem Kopf, die Ihnen korrekt mitzuteilen versucht, dass Sie die Geduld Ihrer Kollegen nicht auf die Probe stellen sollten und sich damit nicht selbst ins Knie schießen sollten. Ich habe es selbst erlebt: Es gibt nichts Schlimmeres als einen Praktikanten, der an Ihren Lippen klebt.

Falls Sie ein Praktikant sind, dann gibt es einige Regeln:

1. Es gibt immer wieder ruhige Zeiten, wobei sie in diesem Jahr nur länger dauern. Das hat nichts mit Ihrer Leistung als Praktikant zu schaffen. Daher sollten Sie dies auch nicht persönlich nehmen.

2. Beachten Sie, dass in diesen ruhigen Zeiten auch andere Personen Däumchen drehen. Doch für diese Leute stellt dies tatsächlich einen ernsten Grund dar, sich Sorgen zu machen. Banker würden schon von ihrem Naturell her lieber zu viel arbeiten als gar nichts tun. In der Finanzbranche wird Aktivität oftmals fälschlicherweise mit der Generierung von Erträgen gleichgesetzt und hohe Erträge bedeuten Jobsicherheit. Ein Mangel an Projekten bringt Ihre Kollegen dazu, sich um ihre Jobs zu sorgen. Dies bedeutet auch, dass sie gestresster sind als normal. Wenn Praktikanten auf die Nerven fallen, sich an die Kollegen kleben, obgleich Sie sich ganz unten in der Nahrungskette befinden, kann das heftige Reaktionen provozieren. Daher sollten Sie derzeit ganz besonders vorsichtig agieren.

3. Doch wenn Sie der Auffassung sind, dass Sie ein Projekt selbstständig umsetzen können, dann sollten Sie das definitiv unternehmen. Es handelt sich um eine gute Idee, denn Ihre Eigeninitiative wird anerkannt werden.

Versuchen Sie, sich an diese Regeln zu halten, und Ihre Chancen steigen, dass Sie nach Ihrem Praktikum ein Angebot für eine Absolventenstelle erhalten.

Die Autorin hat in verschiedenen Funktionen bei Investmentbanken gearbeitet und erhielt ihren ersten Job nach einem Praktikum bei einer Großbank.

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