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CITYBOY: Verdammt, wäre ich doch ein Hedgefondsmanager geworden

Geraint Anderson

Wenn ich die Zeit zurückdrehen könnte, dann wäre ich gern die ersten zwölf Jahre meines Erwachsenenlebens als Windsurfing-Lehrer in einem Ferienclub für 18- bis 30jährige im mallorquinischen Magaluf geworden. Wenn ich dies überlebt hätte, dann hätte ich sicherlich genug Geschichten, um meine 86 Enkel zu langweilen.

Doch genug von diesen kindischen Fantasien. Falls ich meine Citykarriere noch einmal starten könnte, welchen Weg würde ich dann realistischerweise heute einschlagen? Mein Job brachte während der Boomphasen viel Spaß mit sich, wobei ich niemals gut in Research oder Analyse war. Das wäre bei vielen Stellen im Corporate Banking völlig in Ordnung – aber nicht wenn Sie als Research Analyst arbeiten.

Die Frage, welchen Karriereweg ich eingeschlagen haben sollte, könnte ich ohne weiter darüber nachzudenken beantworten: Ich hätte Hedgefondsmanager werden sollen. Diese Leute schienen oftmals die schnellsten Autos, die schönsten Frauen und das meiste Geld gehabt zu haben. Auch wenn Sie mich ein wenig altmodisch nennen möchten – handelt es sich doch um diejenigen Dinge, an denen die meisten jungen Leute vage interessiert sind.

Ein Hedgefondsmanager zu sein, scheint mir wesentlich mehr Spaß mit sich zu bringen, als bei einem konventionellen Pensionsfonds oder einer Investmentbank zu arbeiten. Die meisten dieser Unternehmen sind klein, weshalb dort nicht die Hälfte der Arbeitszeit auf ermüdende Verwaltungsaufgaben und öde Compliance verschwendet werden muss. Dort gibt es weniger Office-Politik, weil einfach weniger Leute involviert sind und Ihre Leistung transparenter ausfällt, weshalb Sie auch die Früchte Ihrer Arbeit genießen können.

Darüber hinaus sind Sie auch oftmals nicht für Ihre gesamte Karriere an einen spezifischen Sektor gebunden, und Sie können für gewöhnlich in alle möglichen Anlageklassen investieren (Derivate, Rohstoffe etc.), was den Job weitaus interessanter macht. Hedgies können – natürlich –  auch short gehen, weshalb ihr Fond auch in Bärenmärkten gutes Geld verdienen kann, während das Beste, was Sie als konventioneller Fondsmanager leisten können, darin besteht, weniger Verluste als die Märkte zu machen.

Dann gibt es da noch die Vergütungsfrage. So lange ihr Fonds Gewinne abwirft, tendieren die Hedgefondsmanager nach des sogenannten „Zwei und 20“-Systems vergütet zu werden. Das heißt, ein Fonds mit einem  verwalteten Vermögen von 2 Mrd. Pfund erhält 20 Mio. Pfund, nur um die normalen Kosten abzudecken sowie 20 Prozent von der Outperformance, die er gegenüber einer vorher festgelegten Benchmark erzielt hat. Da es sich bei der Benchmark oftmals um die Verzinsung von zehnjährigen Anleihen handelt, sprechen wir nur über eine Performance von mehr als 2 Prozent, bevor richtig Geld verdient wird.  Falls es Ihnen gelingt, den Vogel abzuschießen und einen Gewinn von z.B. 30 Prozent zu generieren, dann können Sie und Ihre zehn Arbeitskollegen im Dezember 56 Mio. Pfund unter sich aufteilen. Dagegen erscheint das Gehalt, das ich zu verdienen pflegte, geradezu als Kleingeld. Wieso sollte man einen Job nicht mögen, der aufregender und dynamischer als nahezu jede andere Beschäftigung in der Londoner City ausfällt, während Sie obendrein auch noch besser und vielfältiger bezahlt werden?

Das einzige Problem besteht darin: Falls Ihr Fonds unterperformt, dann tendiert er dazu, schnell alle seine Investoren zu verlieren, mit der Folge, dass Sie gefeuert werden … doch handelt es sich hier nicht um den Preis, den man angesichts der offensichtlichen Vorzüge des Jobs zu zahlen bereit ist?  Und darüber hinaus: Falls Sie nicht gut sind, dann wechseln Sie einfach zu einem anderen Hedgefonds und geben vor, mit dem Misserfolg nichts zu schaffen zu haben!

Leider bin ich niemals ein Hedgefondsmanager gewesen und zweifele daran, dass ich es jemals sein werde. Allerdings bin ich jetzt ein Autor und habe einen neuen Roman über ein eine Gang von City-Typen und einen Hedgefondsmanager geschrieben. Der Hedgefondsmanager bin ich dabei selbst, womit ich indirekt meine Hedgefondsfantasien erkunde. Das sollten Sie lesen, damit Sie und Ich sehen, was uns entgeht.

Payback Time“ von Geraint Anderson ist am 21. Juni erschienen und für 12.99 Pfund erhältlich. Folgen Sie Geraint Anderson auf Twitter @ cityboylondon

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