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Wie Sie einen Jobverlust in einer Bewerbung erklären können

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Jetzt ist es passiert: Sie haben Ihren Job verloren. Wie erklären Sie das jetzt am besten im nächsten Vorstellungsgespräch? „Nicht so schlimm“, sagen Vorstände aus der Finanzbranche. Aber Personalberater warnen vor zu viel Offenheit.

„Angesichts der vielen Restrukturierungen im Finanzsektor kann es leicht vorkommen, dass auch gute Leute unter die Räder kommen“, sagt etwa Hartmut Leser, Vorsitzender  von Aberdeen Asset Management Deutschland. Er schaue „auf die Qualität der Leute“.

Ähnlich sieht das Lars Detlefs, Geschäftsführer Institutional Sales bei MFS Deutschland: „Einen Jobverlust oder Lücken im Lebenslauf sollte man immer pro-aktiv erläutern und ansprechen.“

Nicht vorschnell die Arbeitslosigkeit ansprechen

„Die ersten zehn Minuten sind nicht der richtige Zeitpunkt, um Dinge wie Kündigungen anzusprechen, aber versäumen darf man den Zeitpunkt auch nicht, dann lieber am Ende noch anmerken“, sagt Stephan Füchtner, geschäftsführender Gesellschafter von GEMINI Executive Search.

Roland Braun, NewPlacement-Berater bei Kienbaum Executive Consultants, würde eher warten, bis solche Themen zur Sprache kommen: „Es gibt auch Gespräche, wo gar nicht danach gefragt wird und vielleicht interessiert es den Arbeitgeber ja auch nicht.“ Eine übereifrige Erwähnung könne Misstrauen entstehen lassen.

„Bewerbungen sollten zukunftsgerichtet sein, nicht vergangenheitsbezogen. Ein potenzieller neuer Arbeitgeber will wissen, was ich für das Unternehmen leisten kann“, ergänzt Braun.

Ehrlichkeit ist Trumpf

„Wenn die Begründung für einen Jobverlust oder -wechsel nachvollziehbar erfolgt und auch durchaus selbstkritisch vorgetragen wird, sind die Aussichten am besten, dass ein neuer Arbeitgeber sie versteht und somit auch kein übler Nachgeschmack zurückbleibt“, ist Detlefs überzeugt.

„Man sollte offen sein, aber sich nicht in eine Defensivposition begeben“, betont Braun, denn man „muss – übertrieben formuliert – dem Arbeitgeber zeigen, warum er einen Fehler macht, wenn er mich nicht einstellt“.

Auch Füchtner warnt: „Man muss ehrlich und offen sein, alles andere ist gefährlich“. Auf jeden Fall müsse vermieden werden, dass Aussagen als reine Taktik oder gar Lüge wahrgenommen werden.

Allerdings könne man die „Instrumente des Marketing“ nutzen, um die Fakten im richtigen Licht zu präsentieren und „Vorstellungsgespräche zu einem nicht unerheblichen Teil selbst steuern“, so Füchtner. Beginnend mit den Unterlagen: „Wenn der Lebenslauf in sich schlüssig ist, dann tauchen einige Fragen gar nicht erst auf“.

Mut zur Lücke

Ein gutes Beispiel für Vermarktung seien arbeitsfreie Zeiten: „In den Lebenslauf einfach ‚arbeitslos’ hineinzuschreiben ist zwar ehrlich aber nicht geschickt,“ so Füchtner.

Auch Braun betont, dass die Frage nach Lücken im Lebenslauf von der Art der Lücken abhänge: Hat man sich fortgebildet, oder Jobs gesucht, von denen aber keiner richtig gepasst hat, etc.

„Vielleicht hat man sich auch bewusst eine Auszeit gegönnt, was ein guter Grund nach sehr anspruchsvollen Tätigkeiten sein kann, denn Work/Life-Balance wird immer wichtiger“, sagt Braun.

Füchtner ist überzeugt, dass Jobwechsel und Lücken im Lebenslauf „nicht etwas Negatives in einem Vorstellungsgespräch sein müssen, wenn sie sich gut begründen lassen“.

Jobwechsel zeugen auch Flexibilität

„Vor 15 Jahren, als die Welt noch stabiler war, kam leicht der Verdacht auf, dass jemand nicht gut gearbeitet hat, wenn er gekündigt wurde – aber jetzt gibt es in der Finanzwelt keine Lifetime-Jobs mehr“, sagt Leser.

„Das bedeutet aber auch, dass Arbeitnehmer vielfältiger einsetzbar werden und sich ihre Widerstandsfähigkeit gegen Entwicklungen, die sie nicht beeinflussen können, erhöht“, betont Füchtner. Allerdings warnt er davor, zu früh nach einer überraschenden Kündigung wieder in Vorstellungsgespräche zu gehen, weil das Gegenüber schnell merke, dass „man mit sich selbst und der Situation noch nicht im Reinen ist“.

Abschließend gibt Braun zu bedenken, dass der Jobwechsel nicht das K.O.-Kriterium darstellt, für das ihn viele halten, weil man sonst wahrscheinlich gar nicht zum Vorstellungsgespräch geladen worden wäre.

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