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Eine kleine Zahlenspielerei: Wie viele Stellen die Deutsche Bank streichen muss, um ihre Sparziele zu erreichen

Nachdem bei der Übernahme der Postbank durch die Deutsche Bank noch Sektkorken knallten, müssen jetzt die Taschentücher ausgegeben werden. Denn der deutsche Branchenprimus verhandelt nach Informationen des Magazins Capital über kräftige Einsparungen beim Personal.

Demnach sollen Backoffice-Mitarbeiter in GmbHs ausgelagert werden. Der Clou dabei: Diese Gesellschaften unterliegen nicht dem Bankentarifvertrag, womit die Deutsche Bank die Kleinigkeit von 30 Prozent einsparen will.

Für die betroffenen Mitarbeiter hieße dies weniger Geld, kein 13. und 14. Monatsgehalt, 3,5 Stunden Mehrarbeit pro Woche sowie drei Tage weniger Urlaub. Um den Mitarbeitern den unappetitlichen Bissen schmackhaft zu machen, verspricht die Deutsche Bank einen Kündigungsschutz bis Ende 2014 und Ausgleichszahlungen für die kommenden fünf Jahre.

Gewerkschaftsvertreter befürchten, dass 4000 Beschäftigte vom Streichkonzert betroffen sein könnten. Von der Arbeitgeberseite wurde indes keine konkrete Zahl ins Spiel gebracht. Dennoch lässt sich die Dimension mit ein wenig Zahlenspielerei ermessen.

Falls konzernweit gestrichen wird…

So will die Deutsche Bank eigenen Angaben zufolge Synergieeffekte von jährlich 1 Mrd. Euro bis 2014/15 heben, wovon 750 Mio. Euro auf Kostenersparnisse entfallen sollen. Im abgelaufenen Geschäftsjahr beschäftigte der Konzern 102.062 Mitarbeiter, für die das Unternehmen12,671 Mrd. Euro ausgab. Somit beliefen sich die Personalkosten pro Kopf auf 124.150 Euro.

Der Anteil des Personalaufwandes an den gesamten Verwaltungskosten in Höhe von 23,318 Mrd. Euro beläuft sich auf 55,7 Prozent. Mithin würden von der geplanten Kostenersparnis von 750 Mio. Euro allein 418 Mio. Euro auf Personalkosten entfallen.

Um dieses Ziel zu erreichen, müsste die Deutsche Bank rein rechnerisch gut 3300 Vollzeitstellen streichen. Wenn indes durch die Auslagerung “nur” 30 Prozent pro Stelle eingespart werden sollen, sind die dreifache Zahl – also fast 10.000 Stellen – von dem Kürzungen betroffen. Damit würden die Befürchtungen der Gewerkschafter noch übertroffen.

…und nur bei der Postbank gestrichen wird

Allerdings dürften von der Postbank-Integration vor allem vergleichsweise schlecht bezahlte Stellen betroffen sein, wie etwa im genannten Backoffice. Dagegen dürften die hochbezahlten Investmentbanker weitgehend ungeschoren davonkommen.

Daher ist vielleicht eine andere Beispielrechnung aussagekräftiger: Die Postbank beschäftigte in 2010 allein 20.360 Mitarbeiter auf Vollzeitbasis, für die sie 1,442 Mrd. Euro zahlte. Mithin wandte das Institut für jeden Mitarbeiter durchschnittlich 70.825 Euro auf.

Der Anteil der Personalaufwendungen an den gesamten Verwaltungskosten von 2,934 Mrd. Euro beträgt 49,1 Prozent. Wollte die Deutsche Bank die gesamten Einsparungen bei der Postbank allein umsetzen, würden auf das Personal 368 Mio. Euro entfallen. Um die Einsparziele zu erreichen, müssten also gut 5000 Stellen gestrichen werden. Falls indes nur 30 Prozent pro Mitarbeiter eingespart werden sollten, wären rund 15.000 Mitarbeiter betroffen. Das sind alles andere als erfreuliche Aussichten für die anstehenden Verhandlungen.

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