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Die Großen fressen die Kleinen: Wieso Julius Bär das Private Banking der Bank of America übernehmen will

Zeichnung von  Pieter Bruegel dem Älteren. (Via Wikipedia)

Zeichnung von Pieter Bruegel dem Älteren. (Via Wikipedia)

„Die großen Fische fressen die Kleinen“ lautet ein bekanntes Sprichwort, das der große flämische Maler Pieter Bruegel der Ältere schon im 1556 bildlich umgesetzt  hat (siehe Foto). An dieser Weisheit scheint sich auch der Wealth Management-Spezialist Julius Bär zu halten. So bestätigte die Zürcher Bank am heutigen Dienstag (19. Juni) Verhandlungen mit der Bank of America Merrill Lynch zur Übernahme ihres Private Banking-Geschäfts außerhalb der USA. „Aufgrund des frühen Stadiums dieser Diskussionen ist das Ergebnis völlig offen“, hieß von Julius Bär hierzu lapidar.

Analysten veranschlagen den „kleine Fisch“ auf ein Asset under Management (AuM) von etwa 90 Mrd. US-Dollar (85,7 Mrd. Franken). Da Julius Bär per Ende April ein verwaltetes Kundenvermögen von 178 Mrd. Franken meldete, würde die Übernahme das AuM um etwa die Hälfte auf 263,7 Mrd. Franken in die Höhe schnellen lassen.

Laut Medienberichten soll der Kaufpreis für das BofAM-Geschäft bei 1,5 bis 2 Mrd. Dollar liegen, was etwa 1,7 bis 2,2 Prozent der übernommenen AuM ausmachen würde. Mit dem Schritt könnte Julius Bär sein Onshore-Geschäft in Europa, Asien und Lateinamerika auf einen Schlag deutlich ausbauen. Fraglich bleibt indes, ob die Zürcher genügend Geld in der Kriegskasse haben oder eine Kapitalerhöhung notwendig würde.

Auf jeden Fall würde Julius Bär mit der Übernahme einen Schritt bei der Konsolidierung des Wealth Management-Marktes vorankommen.  Da sich die Erträge im Wealth Management-Geschäft zum beträchtlichen Anteil an der Höhe der verwalteten Vermögen orientieren, sehen viele Branchenexperten in einer Konzentration des Marktes eine Lösung der derzeitigen Probleme.

Zwickmühle von steigenden Kosten und sinkenden Erträgen

Diese Herausforderung an die Branche hatte das Beratungsunternehmen Ernst & Young in seiner „Cost Efficiency Survey 2012“ erst vor etwa drei Wochen skizziert. „Die Erlöse sinken, da Kunden ihre Vermögen zurückziehen oder auf Produkte mit geringerer Rentabilität ausweichen. Gleichzeitig verlangen neue Regulierungen erhebliche Investitionen“, erläutert Bernhard Böttiger von Ernst & Young Schweiz.

Laut dieser Umfrage würden 5 bis 10 Prozent der Schweizer Banken Kostensenkungen von 10 bis 20 Prozent beabsichtigen, 40 Prozent der Institute von 10 bis 20 Prozent und 4 Prozent sogar um mehr als 20 Prozent, was auf einen empfindlichen Arbeitsplatzabbau im Schweizer Wealth Management hinausliefe.

Dennoch erklärte Marcel Stalder, Leiter Advisory Financial Services Schweiz bei Ernst & Young kurzfristigen Sparmaßnahmen eine klare Absage: „Dadurch riskieren Unternehmen bloß, ihre Mitarbeitenden zu verunsichern, ihr Kunden zu vernachlässigen und die Service-Qualität zu verschlechtern. Um diese negativen Effekte zu vermeiden, sind die Einsparungen direkt für Investitionen in neue Produkte, Dienstleistungen und Märkte zu nutzen.“ Diesen Ratschlag scheint Julius Bär mit der geplanten Übernahme der BoAML-Aktivitäten zu beherzigen.

Neue Kundenvermögen und höherer Onshoreanteil als Lösung

In das gleiche Horn stieß auch das Strategie-Beratungsunternehmen Boston Consulting Group im Zusammenhang mit der Vorlage seines „Global Wealth Reports 2012“ vor rund drei Wochen, der für die Schweiz unter dem bezeichnenden Motto stand: „Wake-up or Break-up.“

Demnach rechnen die Experten der BCG damit , dass aufgrund der neuen Steuerabkommen bis 2014 rund 248 Mrd. Franken aus der Schweiz abfließen würden. Dies würde die Erträge mit der westeuropäischen Offshore-Kundschaft um 4,8 Mrd. Franken vermindern – jährlich wohlgemerkt.

Gleichzeit stiegen nach der Finanzkrise aufgrund wachsender Regulierung und höheren Anforderungen an die IT branchenweit die Kosten. So verschlechterte sich die Kostenertragsquote zwischen 2007 und 2011 bereits von 63 auf 79 Prozent.

Falls die Schweizer Wealth Manager nur die Ertragsverringerung mit vermögenden Kunden aus Westeuropa auffangen wollten, müssten die Kosten um 3,9 Mrd. Franken gesenkt werden. Matthias Naumann von BCG Schweiz rechnete auch gleich vor, dass dies einem Abbau von 15.500 Arbeitsplätzen entsprechen würde.

Vor diesem Hintergrund scheint die geplante Übernahme des Wealth Management-Geschäfts der BoAML ein kluger Schachzug von Julius Bär zu sein. Denn so würde sich das verwaltete Vermögen – trotz Abzügen aufgrund der neuen Steuerabkommen – erhöhen und der Anteil des Onshore-Geschäftes steigen. Dies würde letztlich auch der Absicherung von Jobs in Zürich dienen. Daher kann man Julius Bär nur einen guten Appetit und eine hoffentlich problemlose Verdauung wünschen.

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