☰ Menu eFinancialCareers

Postengeschachere in der Eurogruppe oder wieso für Luxemburger Karrierevorfahrt gilt

Der Chef der Luxemburger Zentralbank Yves Mersch.

Der Chef der Luxemburger Zentralbank Yves Mersch.

Das Großherzogtum Luxemburg zählt gerade einmal rund 500.000 Seelen, dennoch stellt der Kleinstaat in der Europapolitik eine veritable Großmacht dar. Dies zeigen einmal mehr die neuesten Nachrichten vom Postengeschachere in der Eurogruppe.

Das Problem…

Das einflussreiche Direktorium der Europäischen Zentralbank (EZB) besteht aus gerade einmal sechs Mitgliedern: dem EZB-Chef Mario Draghi aus Italien, dem Vizepräsidenten Vítor Constâncio aus Portugal, Jörg Asmusen aus Deutschland, Benoît Cœuré aus Frankreich, José Manuel Gonzales-Paramo aus Spanien und Peter Praet aus Belgien.

Mithin scheint das Direktorium eine ähnliche nationale Zusammensetzung aufzuweisen wie das Animations-Team eines Club Mediterranee: Drei Direktoren stammen aus den sogenannten „Piigs“, einer aus dem ebenfalls hochverschuldeten Belgien und lediglich Asmussen aus Deutschland. Die Direktoren aus den AAA-Ländern scheinen hier zu einer aussterbenden Gattung zu zählen, was einiges an der jüngsten EZB-Politik erklären dürfte.

… die Lösung

Allerdings läuft die Amtszeit des Spaniers Gonzales-Paramo jetzt aus, weshalb schon seit Monaten die EU-Länder ihre Kandidaten in Position gebracht haben. Laut einem Bericht der Wirtschaftswoche soll jetzt der Chef der Luxemburger Zentralbank Yves Mersch das Rennen machen. Damit zieht der Vertreter eines weiteren AAA-Landes in das Direktorium ein.

Und noch mehr Luxemburger

Dagegen scheint beim Kampf um den einflussreichen Präsidenten der Eurogruppe der deutsche Kandidat das Nachsehen zu haben. In der Vergangenheit hatte der Luxemburger Langzeit-Premier und Europapolitik-Veteran Jean-Claude Juncker signalisiert, das Amt aufgeben und an den deutschen Finanzminister Wolfgang Schäuble weiterreichen zu wollen.

Doch damit scheinen Juncker und Schäuble die Rechnung ohne die Franzosen gemacht zu haben. Denn laut Medienberichten soll der frischgewählte linke französische Präsident  François Hollande wenig erpicht darauf gewesen sein, den bekannten deutschen Sparkommissar Schäuble als Eurogruppenpräsident begrüßen zu dürfen. Die Konsequenz: Juncker soll den Posten behalten.

Freilich fällt auch für Deutschen ein Trostpreis ab: Der derzeitige Chef des befristeten Eurostabilitätsfonds (EFSF) Klaus Regling aus Deutschland soll künftig den Chefposten bei dem dauerhaften Stabilitätsfonds (ESM) übernehmen.

Wieso Luxemburger regelmäßig die Nase vorn haben

Unter dem Strich konnten die AAA-Länder ihre Position mit der Ernennung Merschs als EZB-Direktor gegenüber dem Club Mediterrannee leicht stärken. Doch von einem Gleichgewicht kann besonders im Falle Luxemburgs keine Rede sein. Denn der Zwergstaat besitzt jetzt gleich zwei Spitzenposten in den Leitungsgremien der Eurogruppe. Vieles – wie die hohe Zahl der Eurokraten in Luxemburg  – spricht dafür, dass die Besitzer eines Luxemburger Passes auch in niederen Positionen in europäischen Institutionen – reichlich – überrepräsentiert sind.

Dafür gibt es auch gute Gründe: Als Angehörige eines Kleinstaates scheinen Luxemburger Spitzenkräfte im Postengeschachere weniger furchteinflößend zu sein als etwa Deutsche. Überdies sprechen Luxemburger perfekt Französisch, Deutsch und zumeist auch Englisch, was in multinationalen Organisationen einen immensen Networkingvorteil bietet. Wer also auf europäischer Ebene Karriere machen will, sollte schleunigst die Einbürgerung in Luxemburg beantragen. Denn für Luxemburger Pässe scheint Karrierevorfahrt zu gelten.

Kommentare (0)

Comments

Antworten

Pseudonym

Pflichtfeld

E-Mail

Ungültige E-Mail-Adresse

Alle Informationen zu unseren Community-Richtlinien finden Sie hier