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Müssen Vermögensberater für Deutsche-Bank-Verluste geradestehen?

Den Vermögensverwaltern bei der Deutschen Bank drohen harte Zeiten. “Wir möchten 15 bis 20 Prozent der Kosten einsparen”, sagte Private-Wealth-Vorstand Pierre de Weck, vor kurzem während einer Bankenkonferenz in Zürich.

Der Druck ist jedenfalls groß: Die größte Bank Deutschlands hatte im ersten Halbjahr in ihrer Einheit Asset and Wealth Management einen Vorsteuerverlust von 85 Mio. Euro eingefahren, der hauptsächlich auf Abschreibungen auf alternative Anlagen zurückzuführen war. Gleichzeitig feierte das Investmentbanking dank des Booms im Anleihehandel das zweite Quartal in Folge hohe Gewinne.

Ein weiteres Problem: Viele vermögende Privatkunden managen ihre Depots selbst. “Derzeit haben nur 30 Prozent der Kunden ein Verwaltungsmandat erteilt”, so de Weck. Die große Mehrheit der Kunden lässt sich lediglich beraten. Doch daran verdienen Banken nur in Boomzeiten gut. In Krisenzeiten hingegen sind Anleger passiver, kaufen und verkaufen seltener – entsprechend gering fallen die Provisionen für Bank und Banker aus.

Verschärft werden könnte die Situation durch den geplanten Einstieg der angeschlagenen Privatbank Sal. Oppenheim. Zunächst will die Deutsche Bank zwar nur mit einem Minderheitsanteil einsteigen, doch über kurz oder lang ist nur eine Übernahme sinnvoll. Schließlich ist die größte noch unabhängige Privatbank Europas just in dem Bereich stark, in dem die Deutsche Bank vergleichsweise schwach ist. De Weck: “Die Buchprüfung wird bis Mitte oder Ende September abgeschlossen sein.”

Mit der Übernahme von Sal. Oppenheim würde die Deutsche Bank nicht nur das verwaltete Vermögen kräftig steigern – und im Idealfall – die Abhängigkeit des Konzerns vom Investmentbanking verringern. Zugleich ließen sich viele Synergien ergeben – neben der Informationstechnik vor allem bei den Mitarbeitern.

Da Sal. Oppenheim zuletzt mit einer Cost-Income-Ratio von unter 60 Prozent gewirtschaftet hat, die Deutsche Bank aber mit einer CIR von 80 Prozent deutlich teurer ist, müssten wohl vor allem die weltweit 4.000 Wealth Manager der Deutschen Bank mit schmerzhaften Einschnitten rechnen.

Ein Sprecher der Deutschen Bank wollte sich zum Thema Stellenabbau nicht äußern. Headhunter sind da schon etwas deutlicher. “Sollte die teilweise Übernahme kommen, wird mittelfristig sicherlich eine Integration erfolgen”, sagte Patrick Riske, Partner bei der Frankfurter Personalberatung Fricke Finance & Legal. “Dann wird es definitiv zu Entlassungen kommen, insbesondere bei den Mitarbeitern mit weniger guter Performance.”

Ob und wie viele der rund 700 Vermögensberater in Deutschland von einem eventuellen Stellenabbau betroffen sind, steht derzeit wohl in den Sternen. Es wäre auch vorstellbar, dass vor allem die 3.300 Vermögensberater im Rest der Welt bluten müssen.

In diesem Zusammenhang ist jedenfalls aufschlussreich, was das Consulting-Unternehmen Bain vor wenigen Wochen in einer Studie zur Bankenbranche geschrieben hat.

“In jedem Fall werden Direktbanken und unabhängige Vermögensverwalter im gehobenen Kundensegment als Gewinner aus der Krise hervorgehen”, sagte Bain-Experte Stefan Frank zur Entwicklung im Privatkundengeschäft.

Verlieren werden in dem Sektor vor allem die Banken, die den entstandenen Vertrauensverlust nicht ausreichend kompensieren können. “Interessant werden hier die bisher sehr unterschiedlichen Entwicklungen von UBS und Deutscher Bank in Deutschland sein”, so Frank.

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