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Top-Thema:2015 voraus: Welche Karrierechancen das neue Jahr bringt

Ein rabenschwarzes Jahr: Gewinner & Verlierer in 2011 in der Schweiz

Black crows in Iceland.

Foto: Sigurour Atlason

Die Verlierer….

Die UBS leistete sich den Skandal des Jahres

Alles schien gut zu werden. Im Jahr 2010 hatten die Schweizer Banken die Lehman-Pleite und deren Folgen abgehakt und waren auf den Wachstumskurs zurückgekehrt. Selbst der Einbruch der Aktienmärkte im Sommer und der unaufhaltbare Höhenflug des Frankens konnten zunächst der guten Stimmung auf dem Schweizer Arbeitsmarkt für Finanzprofis nicht viel anhaben. Noch bei unserer Umfrage unter Headhuntern im August äussersten sich die meisten Teilnehmer verhalten optimistisch.

Doch als sich am 15. September die Handschellen um die Handgelenke des UBS Delta 1-Traders Kweku Adoboli im fernen London schlossen, änderte sich die Stimmung in der Schweiz schlagartig. Denn der 31jährige hatte mit unauthorisierten Geschäften dem UBS-Investmentbanking einen Verlust von rund 2 Mrd. Franken eingebrockt.

Dies hatte tiefgreifende Folgen: Das Risikomanagement der UBS erwies sich als miserabel, die Wachstumsstrategie des damaligen UBS-Chefs Oswald Grübel geriet in Misskredit und die Gewinne der Schweizer Grossbank rauschten zu Tale wie eine Lawine nach lauen Frühlingstemperaturen.

So verschlechterte sich der Vorsteuergewinn in den ersten neun Monaten des Jahres gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 22 Prozent auf 4,9 Mrd. Franken. Für den Absturz zeichnete hauptsächlich das Investmentbanking verantwortlich, in dem der Vorsteuergewinn um 73 Prozent auf magere 561 Mio. Franken zusammenschrumpfte.

Als Folge des miesen Abschneidens des Investmentbankings musste UBS-Chef Oswald Grübel den Hut nehmen und das Zepter an Sergio Ermotti weiterreichen. Der smarte Tessiner will vor allem das Fixed Income-Geschäft des Bankenriesen zusammenstreichen und die Mitarbeiterzahl von derzeit rund 18.000 auf 16.000 Beschäftigte im Investmentbanking bis 2016 verringern. Schon zuvor hatte die Bank angekündigt, sich von insgesamt 3500 Stellen trennen zu wollen.

Credit Suisse: Vom Überflieger zum Problemfall

Noch in 2010 schien die Credit Suisse fein raus zu sein. Denn die zweite Schweizer Grossbank hatte im Vergleich zum Lokalrivalen UBS die Finankrise recht unbeschadet überstanden. Doch dieser Höhenflug sollte sich in 2011 nicht ungebremst fortsetzen.

So stürzte der Vorsteuergewinn von Januar bis September im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 32 Prozent auf 3,7 Mrd. Franken ab, wofür ebenfalls das Investmentbanking massgeblich verantwortlich war. Denn der Vorsteuergewinn der Sparte brach um 53 Prozent auf knapp 1,4 Mrd. Franken ein. Auch bei der Credit Suisse werden konzernweit 3500 Stellen gestrichen.

Clariden Leu oder wie die Konsolidierung im Private Banking zuschlägt

Neben dem Downsizing im Investmentbanking zählte die Konsolidierung im Schweizer Wealth Management zu den Haupttrends des Jahres. Denn durch die wachsenden Regulierungsanforderungen, die Weissgeldstrategie und den starken Franken steigen die Kosten in der Branche, während die Erträge sinken. Laut Branchenexperten stehen somit auch die Zeichen im Private Banking auf Kostensenkung und der Schaffung grösserer Einheiten.

Dies bekommen derzeit die Beschäftigten der Credit Suisse-Tochter Clariden Leu zu spüren. Die ehedem stolze Privatbank, deren Wurzeln bis in das Jahr 1755 zurückreichen, soll bis Ende 2012 vollständig in den Mutterkonzern integriert werden, wobei etwa 550 Stellen wegfallen werden.

… und die Gewinner

Safra oder brasilianisches Banking für die Schweiz

Zuerst kamen die günstigen Waren aus den Schwellenländern und jetzt folgen die Investoren. So wollte die niederländische Rabobank sich von ihrem Anteil an der Basler Privatbank Sarasin trennen. Über den entsprechenden Übernahmepoker berichtete die Schweizer Presse ausgiebig. Doch eine Pokerpartie geht gelegentlich – wie in diesem Fall – unerwartet aus. Den Zuschlag für Sarasin erhielt nicht die Favoritin Julius Bär, sondern die brasilianische Safra-Gruppe.

Der Zürcher Headhunter Stephan Surber von Michael Page erzählt, wie er sich noch vor einigen Monaten über die Bank Safra gewundert habe. Denn die Bank residiert am Zürcher Paradeplatz 1, was in puncto Mietpreis sicherlich nicht zu den günstigsten Adressen der Schweiz zählt – und das obgleich die Bank mangels Aktivitäten in der Schweiz einen beträchtlichen Teil der Räumlichkeiten leerstehen liess. Doch nachdem Safra die Bank Sarasin übenommen hat, dürfte dieses Rätsel gelöst sein.

Der deutsche Fiskus

Zu den grössten Gewinnern dürften indes die deutschen (und britischen) Steuerbehörden zählen. Denn fortan treiben die Schweizer Banken für den deutschen Staat Steuergelder ein. Demnach wird auf die Kapitalgewinne deutscher Steuerbürger in der Schweiz eine Abgeltungssteuer von 26,375 Prozent fällig und Altvermögen sollen pauschal mit 19 bis 34 Prozent der Gesamtsumme nachbesteuert werden. Vorsorglich haben sich die Schweizer Banken verpflichtet, dem deutschen Fiskus schon einmal einen Abschlag von 2 Mrd. Franken zu überweisen. Das Abkommen ist allerdings aufgrund von Widerstand aus den deutschen Bundesländern und der EU-Kommission noch nicht rechtskräftig.

Glencore und der Rohstoffhandel

Der Aufschwung des Rohstoffhandels scheint auch in der Schweiz weiterzugehen. Dieses Jahr wagte das weltgrösste Commodity Trading-Haus Glencore mit Sitz in Baar (ZG) seinen Gang an die Börse, womit ein wenig Licht in die bisher recht verschwiegene Branche gelangte. Zuvor war das Unternehmen von seinen eigenen Managern gehalten worden. Beim Börsengang zeigte sich, wie das Geschäft die Rohstoffhändler in wenigen Jahren zu Multimillionären macht.

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