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Top-Thema:Nachfrage extrem: Consulting-Boom rund um die Banken kennt kein Ende

Nutzlose Kunststücke: Wieso das DVA keinen Bonus rettet

Den nackten Zahlen nach scheinen die beiden Schweizer Grossbanken die turbulenten Zeiten in den zurückliegenden Monaten mit einem blauen Auge überstanden zu haben.

So weist die UBS einen Vorsteuergewinn für die ersten neun Monate 2011 von 4,868 Mrd. Franken aus, was gerade einmal 22 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum sind. Bei der Credit Suisse sehen die Zahlen etwas schlechter aus: Dort fiel der Gewinn in den ersten neun Monaten um 39 Prozent auf 2,59 Mrd. Franken.

Doch zu diesen vergleichsweise hübschen Zahlen gelangten die beiden Banken nur aufgrund eines bilanziellen Zauberkunststücks namens Debt Valuation Adjustment (DVA). Demnach werden die eigenen Verbindlichkeiten der Bank dem aktuellen Marktwert angepasst und dieser ist aufgrund des schwierigen Marktumfeldes abgestürzt. Kurz: die Bank könnte ihre eigenen Verbindlichkeiten günstiger ablösen und schreibt sich so einen Gewinn gut.

Und diese Gewinne fallen erklecklich aus: So schreibt sich die UBS aufgrund des DVA allein für das dritte Quartal einen positiven Effekt in Höhe von 1,765 Mrd. Franken gut. Bei der Credit Suisse beläuft sich dieser Effekt auf 1,286 Mrd. Franken.

Dabei handelt es sich jedoch um rein virtuelle Gewinne: Denn als Folge des DVA klingelt in den Kassen der Banken nicht ein einziger Rappen zusätzlich. Wenn man diese virtuellen Erträge vom Profit abzieht, sehen die Ergebnisse gleich wesentlich bescheidener aus: Der Vorsteuergewinn würde bei der UBS auf 3,1 und bei der Credit Suisse auf 1,3 Mrd. Franken purzeln.

Allein “nachhaltige Gewinne” sind für Boni relevant

Somit sollten sich die Mitarbeiter beider Institute nicht vorschnell die Hände reiben. Denn die rechnerisch erhöhten Erträge und Gewinne dürften für die Bemessung der Boni keine Rolle spielen. So heisst es im “Rundschreiben Vergütungssysteme” der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht Finma: “Die Grösse des Gesamtpools ist abhängig vom langfristigen Erfolg des Finanzinstituts. Dabei sind die Nachhaltigkeit dieses Erfolgs sowie die eingegangenen Risiken zu berücksichtigen.”

“Bei schlechtem Geschäftsverlauf wird der Gesamtpool massgeblich reduziert oder entfällt vollständig”, heisst es in dem Rundschreiben weiter. Tobias Lux von der Finma erläutert: “Boni sind weiterhin möglich, wenn sie nachhaltig erwirtschaftet sind und bezüglich Risiken keine falschen Anreize setzen.”

Folglich dürften für die Bemessung der Boni allein die tatsächlichen ökonomischen Gewinne und nicht etwa die virtuellen Bilanzgewinne relevant sein. Da diese bislang weitaus niedriger als im Vorjahr ausfielen, können sich viele Mitarbeiter von UBS und Credit Suisse schon einmal von ihren Boni für das laufende Jahr verabschieden.

Das letzte Wort über die Höhe der Boni für 2011 wird indes nicht aufgrund der Quartalszahlen, sondern erst mit der Vorlage des Jahresabschlusses gesprochen. Erst dann müssen die Banken ihre Vergütungssysteme der Finma zur Genehmigung vorlegen – und die Aufseher dürften ein wachsames Auge auf das DVA werfen.

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