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Aus dem Tagebuch eines Praktikanten: Zum Glück gibt’s hier keine Intrigen

Finger art of Happy couple holding hands.

In den zurückliegenden Wochen meines Investment Banking-Praktikums habe ich endlich herausgefunden, worauf es ankommt: Man beginnt sein Praktikum mit Vorurteilen, was es heisst, im Investment Banking zu arbeiten. Doch erst nach der Erfahrung im Unternehmen selbst weiss man, was das wirklich bedeutet.

Wir hatten gerade Zahltag. Für Studenten, deren Konto sich stets in den roten Zahlen oder kurz davor befindet, ist das natürlich grossartig. Allerdings bleibt mir keine Zeit, von dem Geld etwas auszugeben. Ich möchte diesen Tagebucheintrag aber nicht mit dem Jammern über die langen Arbeitszeiten vergeuden. Schliesslich ist das Thema allseits bekannt. Viel wichtiger ist mir, dass mir das Praktikum Blicke hinter die Kulissen gewährt.

So reiten die Banken immer darauf herum, wie wichtig ihnen ihre Unternehmenskultur sei. Solange man nicht selbst damit konfrontiert ist, hört sich das nach Geschwätz an. Die Zeiten, als sich Investmentbanker pünktlich zu ihrem 40. Geburtstag auf ihr Altenteil verabschieden konnten, sind endgültig vorbei. Auch dreht sich nicht alles nur ums Geld. Unter uns Praktikanten herrscht ein reger Austausch. Wir arbeiten gut als Team zusammen und wenn man täglich 16 Stunden gemeinsam verbringt, dann sollte man gut miteinander auskommen. Es geht mir auch nicht ums Geld oder die Aussicht auf einen hochbezahlten Einstiegsjob im kommenden Jahr.

Ihr könnt mir aber glauben, dass das nicht überall so ist. Ich kenne eine Menge Leute, die ein Praktikum bei einer möglichst renommierten Bank angenommen haben und denen es jetzt schlecht geht. Einige Banken heuern einfach zu viele Praktikanten an, was zu einem harten Konkurrenzkampf und Intrigen unter ihnen führt. Denn alle wollen verzweifelt ein Übernahmeangebot erhalten.

Dennoch sind die Arbeitszeiten hart. Für mich ist das besonders schlimm. Da ich aus dem Ausland komme, fällt es mir besonders schwer, den Kontakt zu meiner Familie aufrechtzuerhalten. Nachdem sich meine erste Aufregung gelegt hat, gilt es jetzt Durchhaltevermögen zu zeigen. Ich befinde mich gerade in dem Prozess herauszufinden, was mein Körper aushält und was nicht. Zum Wohle meiner Gesundheit achte ich darauf, genügend Zeit fürs Fitness-Studio zu finden. Endlose Zeiten sitzend zu verbringen und sich von Fastfood zu ernähren, ist sehr schlecht für seine Gesundheit und ich möchte zumindest ein Mindestmass an Gesundheit aufrechterhalten.

Ich arbeite in der Investment Banking Division und die Projekte hier können sich über viele Monate hinziehen. Dies bedeutet für gewöhnlich, dass Ihr niemals wisst, wie lange Eure Arbeitszeiten dauern. Es besteht also immer die Gefahr, dass Ihr länger als geplant im Büro verbringt. Wer jedoch in den Produkt-Teams der Banken arbeitet, kann seine Arbeitsbelastung besser abschätzen und muss hier nicht bis in die frühen Morgenstunden ausharren.

Darüber hinaus sind mir während meiner Zeit hier einige Details aufgefallen: Ich werde immer pingeliger. Zwar habe ich am Anfang meines Praktikums ebenfalls Fehler gemacht, aber ich habe daraus gelernt. Mittlerweile achte ich auf die kleinsten Details, da einem diese später unter die Nase gerieben werden. Auch der Wert eines säuberlich gebügelten Hemds ist mit erst hier aufgegangen.

Uns bietet sich auch weiterhin die Chance, Kontakte zu den Führungskräften aufzubauen, was schon eine grossartige Sache ist. Ich habe eine Menge angehender Banker getroffen, die sich fragen: Möchte ich wirklich so wie sie werden? Doch die jüngsten Kontakte mit Führungskräften waren schon sehr inspirierend. Bislang waren die Erfahrungen all den Stress wert.

Bei James Robert handelt es sich um ein Pseudonym. Robert verbringt sein Praktikum im M&A-Geschäft einer Grossbank in London. Er berichtet hier regelmässig von seinen Erfahrungen.

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