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Null Bock: Top-Studenten wenden sich vom Londoner Investment Banking ab

Canary Wharf underground sign with commuters waiting on a platform in the background

Die Verlagerung von Geschäftsbereichen nach Frankfurt oder anderswo in der Rest-EU stellt nicht die einzige Brexit-Herausforderung für Londoner Investmentbanken dar. Vielmehr scheint seit dem Referendum auf der Insel auch die Attraktivität der Branche für Spitzenstudenten zu schwinden.

Nach einer Untersuchung von High Fliers ist die Zahl der Bewerbungen in den Einstiegsprogrammen 2017 im Vergleich zum Vorjahr um 15,8 Prozent eingebrochen, wie eine Umfrage unter mehr als 20.000 britischen Studenten von Top-Unis in ihrem letzten Studienjahr ergeben hat. Lediglich 9,6 Prozent dieser Absolventen haben sich auf eine Stelle im Investment Banking beworben. Damit handelte es sich um den geringsten Anteil seit dem Höhepunkt der Finanzkrise 2009.

Einen der grössten Einbrüche verzeichnete ausgerechnet die renommierte London School of Economics (LSE), wie Martin Birchill, Managing Director von High Fliers betont. Noch 2012 bewarben sich stolze 41 Prozent der LSE-Absolventen auf eine Stelle im Investment Banking. Dagegen sind es im laufenden Jahr gerade einmal 29 Prozent. Stattdessen haben sich 41 Prozent im Consulting beworben.

Dennoch dominieren die Absolventen der LSE auch weiterhin die Analystenjahrgänge der Londoner City. Nach den Daten von eFinancialCareers belief sich der Anteil ihrer Absolventen von 2016 auf 22 Prozent bei der Credit Suisse, 20 Prozent bei Goldman Sachs und 18 Prozent bei der Deutschen Bank in London. Bei jeder analysierten Bank nahm die LSE den ersten Platz ein.

„In den Wochen und Monaten nach dem Brexit-Referendum im vergangenen Sommer haben einige der bekanntesten Investmentbanken in der City ziemlich öffentlich angekündigt, Jobs auf den Kontinent zu verlegen, wenn Grossbritannien die EU verlässt“, sagt Birchill. „Damit wuchsen die Sorgen und die Unsicherheit unter den Studenten in ihrem letzten Jahr, die einen Einstiegsjob nach Beendigung der Uni suchen.“

Obgleich nur wenige Banken mittlerweile genauere Zahlen zu ihren Verlagerungsplänen veröffentlich haben, wird mit einer Zahl von rund 9000 Stellen gerechnet. Beispielsweise hat Goldman Sachs angekündigt, mindestens 200 Jobs nach Frankfurt zu verlegen. Bei HSBC wurde sogar von 1000 Stellen gesprochen, die nach Paris gehen sollen. Die Société Générale wiederum will 400 Stellen zurück nach Frankreich verlagern.

Entsprechend haben laut High Fliers die Investment Banken ihre Einstiegsjobs um 3,2 Prozent oder 67 Stellen verringert, während die Big 4 – wie in Deutschland auch – ihre Einstiegsprogramme sogar noch ausbauen. Demnach haben Top-Studenten derzeit „bessere Optionen im Consulting“, wie Birchill betont.

Es stellt sich allerdings die Frage, ob dieser Einbruch die Investmentbanken wirklich schmerzt. Denn nach wie vor werden sie von Absolventen-Bewerbungen überflutet. Nur 2 bis 4 Prozent erhalten tatsächlich eine Einstiegsstelle. Es scheint auch Ausnahmen vom Trend zu geben. So hat JP Morgan angeblich in den vergangenen zwei Jahren einen Anstieg von rund 50 Prozent verzeichnet. Goldman Sachs erhielt 2016 rund 130.000 Bewerbungen für 5000 Jobs.

Laut High Fliers erhalten die meisten Absolventen in London ein Einstiegsgehalt von 32.000 Pfund (36.000 Euro). Bei den Investmentbanken beläuft sich das Grundgehalt indes auf 50.000 Pfund (56.000 Euro) plus einem Bonus von 28.000 Pfund (31.500 Euro) im vergangenen Jahr, wie das Personalberatungsunternehmen Dartmouth Partners jüngst ermittelt hat.

„Nach drei Jahren können Sie 100.000 Pfund (112.000 Euro) verdienen. Damit kann kaum jemand konkurrieren“, betont Headhunter Logan Naidu von Dartmouth Partners. „Das grösste Problem der Banken besteht darin, diese Leute bei der Stange zu halten. Die Absprungsquote zu Hedgefonds und Private Equity-Fonds ist viel höher als in den vergangenen Jahren.“

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