☰ Menu eFinancialCareers

Brexsegen für Frankfurt geht weiter: Auch Morgan Stanley kommt mit 200 Jobs

Immer mehr Banken entscheiden sich tatsächlich für Frankfurt.

Immer mehr Banken entscheiden sich tatsächlich für Frankfurt.

Erst haben die Japaner innerhalb weniger Tage ihre Entscheidung für Frankfurt bekannt gegeben, jetzt folgen die Amerikaner. Wie aus Branchenkreisen zu hören ist, verlagert auch Morgan Stanley ihr Broker-Dealer-Geschäft für die restliche EU mit etwa 200 Mitarbeitern von London nach Frankfurt. Das europäische Hauptquartier verbleibt allerdings auch weiterhin in der britischen Hauptstadt. Morgan Stanley wollte dies nicht kommentieren. Erst gestern war von der Citigroup ganz ähnliches berichtet worden. Somit dürfte Frankfurt ein Brexsegen in Tradingjobs bevorstehen.

Damit Sie den Überblick nicht verlieren, haben wir eine Liste mit Informationen zusammengestellt, was über die Umzugspläne der Banken bislang bekannt ist:

Citi

Die Citigroup will 150 bis 250 Stellen von London nach Frankfurt verlegen. Damit soll das Broker-Dealer-Geschäft in der restlichen EU-Ländern vom Main aus gesteuert werden. Laut Insiderinformationen soll das Gros der Jobs auf Sales and Trading von Aktien und Aktienderivaten entfallen. Schon bislang unterhält Citi in Frankfurt einen „kleinen Handelssaal”. Das Hauptquartier für Europa, den Mittleren Osten und Afrika bleibt indes in London.

Daiwa

Vor wenigen Wochen hat die Daiwa Securities Group in Tokio angekündigt, eine Banklizenz für Frankfurt beantragen zu wollen. „Dieses Arrangement wird sicherstellen, dass Daiwa seine Dienstleistungen auch weiterhin in der EU bereitstellen kann, wenn Grossbritannien die EU verlässt“, hiess es von der japanischen Investmentbank. Bisher betreibt die Daiwa Advisory GmbH mit 31 Mitarbeitern lediglich M&A-Geschäft in Deutschland. Die Beantragung einer Banklizenz bedeutet, dass Daiwa künftig auch andere Geschäfte wie das Euro-Clearing in Frankfurt plant.

Deutsche Bank

Die Deutsche Bank beschäftigt an der Themse viele Tausend Investmentbanker. Die Chancen stehen gut, dass ein erklecklicher Teil davon nach Deutschland umziehen wird. Konzern-Compliance-Chefin Sylvie Matherat sagte bereits Anfang des Jahres, dass die Deutsche Bank kein „first mover“ sein werde. Das Institut kann es sich leisten, weil Banklizenz und Infrastruktur bereits vorhanden sind. Laut Deutsche Bank Konzernchef John Cryan würden im Bedarfsfall einfach Stellen nach Deutschland verlegt, diese müssten allerdings nicht unbedingt nach Frankfurt gehen, sondern vielleicht auch nach Berlin. „Wir heissen Deutschen Bank und nicht Frankfurter Bank”, kommentierte Cryan damals.

Goldman Sachs

Auch Goldman Sachs hat die Katze aus dem Sack gelassen – zumindest ein bisschen. „Wir beginnen damit, Ressourcen nach Frankfurt und in andere europäische Städte zu verlagern“, sagte der Europachef Richard Gnodde der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Auf die Frage, ob die Bank ihre derzeit rund 200 Banker in Frankfurt verdoppeln wolle, antwortete Gnodde: „Das ist sehr wahrscheinlich richtig.“ Die 200 Stellen dürften allerdings nur die Untergrenze darstellen. Der grösste Teil davon wird wohl im Front Office entstehen, denn die Goldman Sachs AG verfügt bereits über eine Banklizenz in Frankfurt.

HSBC

Bei der britischen Grossbank HSBC hat Frankfurt das Nachsehen. Bereits Anfang des Jahres hatte Konzernchef Stuart Gulliver bekräftigt, rund 1000 Arbeitsplätze von London nach Paris umsiedeln zu wollen. Das Institut besitzt umfangreiche Aktivitäten in der französischen Hauptstadt und beschäftigt in Frankreich rund 9500 Mitarbeiter. Das letzte Wort scheint hier aber noch nicht gesprochen zu sein. Die deutsche Tochter HSBC Trinkaus zählt nur gut 2800 Mitarbeiter.

JP Morgan

Bereits vor etwa zwei Monaten hat JP Morgan Investment Banking-Chef Daniel Pinto angekündigt, einige hundert Jobs von Grossbritannien in die Eurozone zu verlagern. „Wir nutzen drei Banken, die wir bereits in Kontinentaleuropa besitzen als Anker für unsere Tätigkeiten“, sagte Pinto damals. „Wir müssen kurzfristig hunderte von Jobs verlagern, um vom ersten Tag an einsatzbereit zu sein, wenn die Verhandlungen abgeschlossen sein werden und dann schauen wir uns die langfristige Personalentwicklung an.“ Auch JP Morgan besitzt bereits eine Banklizenz für Frankfurt.

Morgan Stanley

Aus Branchenkreisen ist zu hören, dass Morgan Stanley etwa 200 Jobs nach Frankfurt verlagern will. Nach dem Brexit soll von hier aus das Broker-Dealer-Geschäft für die restliche EU sichergestellt werden. Daher wird es sich wohl hauptsächlich um Jobs in Sales und Trading ähnlich wie bei Citi handeln. Auch bei Morgan Stenley soll das Europa-Hauptquartier in London verbleiben.

Nomura

Bis zu 100 Stellen will die japanische Investmentbank Nomura von London nach Frankfurt verlegen, wie die Nachrichtenagentur Bloomberg meldet. Ein Teil dieser Stellen dürfte indes Risikomanagement, Compliance, Interne Revision und Controlling vorbehalten sein. Diese Funktionen sind für den Erhalt einer Bankenlizenz erforderlich.

Standard Chartered

Es ist zwar erst wenige Wochen her, dennoch war Standard Chartered eine der ersten ausländischen Banken, die sich offiziell für Frankfurt als neuen Hauptsitz innerhalb der Eurozone entschieden. Allerdings hat die Londoner Bank schon heute ihr Euroclearing mit rund 100 Mitarbeitern in Frankfurt angesiedelt. Mit der angekündigten Beantragung einer Banklizenz dürften jetzt einige dutzend Jobs im Middle Office hinzukommen, wie Prof. Martin Hellmich von der Frankfurt School of Finance & Management schätzt. Laut Brancheninsidern sucht Standard Chartered bereits nach Headhuntern, um die Vakanzen zu füllen.

Sumitomo

Auch Sumitomo bemüht sich um eine Lizenz für ihre Kernbank sowie um eine Wertpapierlizenz für die Tochtergesellschaft SMBC Nikko Capital Markets, wie der Konzern Anfang Juli in Tokio mitteilte. Damit reagiere die Bank auf den geplanten Austritt Grossbritanniens aus der EU, sagte Konzernchef Takeshi Kunibe. Bislang haben die Japaner ihr Europageschäft von London aus betrieben. „Der Zweck dieser Expansion ist die Steigerung der Flexibilität der Marketing- und Ausführungs-Strukturen der Sumitomo Financial Group, so dass sie weiterhin die Finanzdienstleistungen für ihre Kunden erbringen kann, ohne dass es zu Unterbrechungen aufgrund des geplanten Rückzugs Grossbritanniens aus der EU kommt“, heisst es von Sumitomo.

UBS

Im vergangenen Jahr wurde die UBS Deutschland AG in die UBS Europe SE umgewandelt. Damit wird das gesamte Wealth Management der Schweizer Grossbank in der Eurozone von Frankfurt aus kontrolliert. Doch mit dem Brexit hat dies zunächst wenig zu tun: Die Straffung der Strukturen war unabhängig davon geplant. Dennoch hat die UBS jetzt Strukturen geschaffen, die sich schnell ausbauen liessen. So verfügt die UBS Europe SE bereits über einen eigenen Investment Banking-Vorstand, nämlich Winter, der ganz nebenbei als Präsident des Auslandsbankenverbandes fungiert.

VTB

Vor einigen Wochen hat auch die VTB ihre Überlegungen bestätigt, ihr Europageschäft in Frankfurt bündeln zu wollen. Die russische Bank kommt indes nicht von der Insel, sondern aus Wien. Aus regulatorischen Gründen will die Bank ihre Aktivitäten, die bislang über Wien, Frankfurt und Paris verstreut waren, am Main konzentrieren. Derzeit beschäftigt die russische Bank an den drei Standorten rund 300 Mitarbeiter. Eine deutsche Banklizenz ist vorhanden.


Kommentare (0)

Comments

Ihr Kommentar wird gerade geprüft. Nach erfolgreicher Prüfung wird es live gestellt.

Antworten

Pseudonym

E-Mail

Alle Informationen zu unseren Community-Richtlinien finden Sie hier