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GASTBEITRAG: Wieso für Leute Mitte 20 Investmentbanken besser als Start-ups sind

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Falls Sie jung sind und eine exzellente akademische Ausbildung durchlaufen haben, dann glauben Sie, Ihnen könne alles gelingen. Für viele Studenten und junge Investmentbanker läuft dies auf die Gründung eines eigenen Unternehmens hinaus.

Sie sehen Vorbilder wie die Snap-  und Facebook-Gründer Evan Spiegel und Mark Zuckerberg und eine unüberhörbare innere Stimme sagt Ihnen, dass Sie ebenfalls Ihr eigenes Geschäft aufziehen sollten. „Jetzt ist der richtige Zeitpunkt gekommen, Du kannst Dein eigener Chef werden, die Opportunitätskosten fallen geringer denn je aus, die Chancen sind unendlich und so etwas wie einen Fehlschlag gibt es nicht. Es handelt sich um neue Erfahrungen.“

Tatsächlich handelt es sich hierbei um die falschen Gründe, um sei eigenes Geschäft aufzuziehen. Sie sind zum Scheitern verdammt, wenn Sie nur ein Unternehmen um seiner selbst willen gründen. Gründen Sie kein Unternehmen, wenn es nicht IHR Unternehmen ist. Sie müssen wirklich an Ihr Projekt glauben.

Bevor ich ins Banking einstieg, habe ich sechs Monate in Hongkong versucht, Champagner an Autohändler zu verkaufen. Ich hatte viel Spass dabei, das Geschäftsmodell zu entwickeln und träumte von dem Erfolg, der aus dem geringen Risiko und dem hohen Verdienstpotenzial herrührte. Doch in Wirklichkeit handelte es sich nur ums sprichwörtliche Klinkenputzen. Diese Erfahrung zeigte mir erst, wie dankbar man für die Chancen sein sollte, die einem die Finanzdienstleistungen eröffnen. Falls Sie irgendwelche Zweifel an Ihrem eigenen Geschäft hegen, dann sollten Sie lieber ins Banking gehen.

Sie erhalten eine der weltweit intensivsten Ausbildungen, gewinnen Selbstvertrauen in Ihre Fähigkeiten, bauen Kapital auf und verbessern Ihren Lebenslauf nachhaltig. Falls Sie einige Jahre später Ihr eigenes Geschäft aufziehen wollen, dann stellen einige Jahre im Banking ein unschätzbares Kapital dar.

Investment Banking-Praktikanten und Analysten tendieren dazu zu jammern, dass sie das untere Ende der Nahrungskette darstellen. Doch was Sie machen, hängt immer noch mit dem Kerngeschäft zusammen und Sie brauchen sich niemals darum zu sorgen, dass Sie pünktlich Ihre Rechnungen bezahlen können oder dass Sie alle Quittungen für Steuer und Buchhaltung sammeln, wie das bei einem Start-Up der Fall ist.

Mal abgesehen davon: Sie werden schnell feststellen, dass Banking einen hervorragenden Ort darstellt. In M&A besteht Ihre Aufgabe darin, Vorstände bei ihren grössten strategischen Problemen zu beraten. Es handelt sich allerdings um Teamarbeit. Sie liefern Ihre Erkenntnisse also nicht selbst beim Unternehmenschef ab. Vielmehr stellen Sie die Informationen zusammen und artikulieren sie. Der Job verschafft Ihnen einen vorderen Platz bei grossen Transaktionen und Sie verstehen, wie Verhandlungen und die Due Diligence ablaufen. Sie erwerben auch profunde Kompetenzen in der Erstellung von Finanzierungsmodellen und Unternehmensbewertungen. Darüber hinaus lernen Sie Ihre Branche und Produkte in- und auswendig kennen.

Auch langfristig ist ein Karriereweg im Banking attraktiv. Ich kann mich an ein Vorstellungsgespräch mit einem Vice President erinnern, der seinen Job mit einem guten Wein verglich. Er werde mit jedem Jahr besser. Persönlich habe ich jeden Schluck davon genossen und ich sehe auch, wie die Dinge besser werden. Ich mag es, wie sich der Job alle paar Jahre wandelt, sobald Sie die Karriereleiter von Analysten über den Associate zum Vice President oder Managing Director hinaufklettern. Jeder Schritt ist mit aufregenden Herausforderungen verbunden. Zu der gleichen Zeit statten die Unternehmen Sie mit den Instrumenten zum Vorankommen aus.

Schliesslich stellen auch die Leute, mit denen Sie zusammenarbeiten, einen grossen Vorteil dar. Denn wenn Sie Ihr eigenes Unternehmen gründen, dann müssen Sie besonders schlau sein, was Absolventen schon schwerfallen kann. Wenn Sie im Banking einsteigen, dann fällt die Logik anders aus: Sie starten beim Nullpunkt und wissen gar nichts. Anschliessend werden Sie in einer steilen Lernkurve alles sukzessiv aufnehmen. Doch dabei handelt es sich um keine Einbahnstrasse: Sie geben Ihre Tipps und Erfahrungen an Praktikanten und Analysten weiter, damit diese schneller und besser arbeiten.

Charles Bocquentin hat die Essec Business School in Paris abgeschlossen und dabei einige Zeit an der Fudan University und der Berkeley Haas School of Business verbracht. Während seiner Bankingkarriere hat er grosse Unternehmen bei Fusionen und Übernahmen beraten.

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