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„Sehr geehrter Herr Consult“: Die zehn schlimmsten Fehler in Anschreiben

Die Lektüre von Anschreiben treibt so manchen Personaler zur Verzweiflung.

Die Lektüre von Anschreiben treibt so manchen Personaler zur Verzweiflung.

Im E-Mail-Zeitalter sinkt die Anzahl der Anhänger von separaten Anschreiben kontinuierlich – besonders unter den Recruitern. Während bei vielen Arbeitgebern ein solcher Text immer noch zum Pflichtprogramm einer jeden Bewerbung zählt, legt Personalberater Marcus Michel von Contagi in Frankfurt keinen gesteigerten Wert auf Anschreiben. Dennoch sollten derartige Texte mit gebührender Sorgfalt verfasst werden. „Mit Anschreiben kann man es nur falsch machen“, warnt Michel. „Sie bringen auf der Haben-Seite nichts, während die Fehler auf der Soll-Seite zu Buche schlagen“. Wir haben mit Personalexperten gesprochen und die zehn verbreitetsten Fehler zusammengefasst.

1. Der falsche Adressat

„Für mich ist der schwerste Fehler, wenn sich die Leute überhaupt keine Mühe geben. Bei meiner alten Firma ‚Michel Consult‘ habe ich tatsächlich ein Anschreiben erhalten, das an einen ‚Sehr geehrten Herrn Consult‘ adressiert war“, erzählt Michel kopfschüttelnd.

Den passenden Adressaten zu finden, stellt vor allem bei einer Initiativbewerbung eine Herausforderung dar. „Richten Sie das Anschreiben nicht an die Personalabteilungen, sondern an den potenziellen Fachvorgesetzten“, empfiehlt Headhunter Mike Boetticher von der match personalberatung in Frankfurt. „Die Mitarbeiter der Personalabteilungen tendieren dazu, die Leute in eine Schublade einzuordnen. Mit einer Initiativbewerbung können sie oftmals nicht viel anfangen.“ Umso grössere Bedeutung komme der Recherche zu den richtigen Ansprechpartnern zu.

2. Der Copy-and-paste-Fehler

Aus alt mach neu. So mancher Kandidat kopiert ganze Absätze aus seinen alten in das neue Anschreiben. Doch dabei lauern Gefahren. „Es kommt immer wieder vor, dass falsche Ansprechpartner, falsche Jobtitel und falsche Unternehmen genannt werden“, warnt Michel. „Das kommt vor, wenn die Bewerber ‚ganze Baustellen‘ mit copy und paste übernehmen.“

3. Der Template-Fehler

„Mich stört es besonders, wenn erkennbar immer das gleiche Anschreiben versendet wird“, klagt Headhunter Patrick Riske von Fricke Finance & Legal in Frankfurt. „Es fällt einfach auf, wenn der konkrete, individuelle Bezug fehlt. Einige Bewerber benutzen neben dem Standardlebenslauf auch noch ein Standardanschreiben.“ Riske empfiehlt das Anschreiben wie auch den Lebenslauf für jede Bewerbung anzupassen.

4. Die Stellenanzeige nicht genau zu lesen

In Anschreiben gilt es, die Schnittmenge zwischen dem Anforderungsprofil der Stelle und dem eigenen Profil herzustellen. Bewerber sollten überdies erläutern, welche Motivation Sie zur Bewerbung auf exakt diese Stelle beim Arbeitgeber XYZ treibt. Diese Punkte lassen sich jedoch nur nach eingehender Lektüre des Anforderungsprofils überzeugend darlegen. „Es stört mich sehr, wenn die Bewerber die Stellenanzeige nicht richtig gelesen haben“, kritisiert Michel. „Manchmal wissen die Leute nicht einmal, bei wem sie sich bewerben.“

5. Grammatik- und Rechtschreibfehler

Weiter erhält Michel immer noch eine hohe Anzahl von Anschreiben mit Grammatik- und Rechtschreibfehlern. „In Zeiten der automatischen Rechtschreibprüfung gibt es hierfür keine Entschuldigung mehr“, meint Michel. Dies werfe besonders auf hoch qualifizierte Bewerber ein schlechtes Licht.

6. Zu lang

„In der Kürze liegt die Würze“, betont unterdessen Personalberater Raphael Rosenfeld von Argos Advisors in München. „Kein Personalberater und auch kein HR-Mitarbeiter hat die Zeit, ellenlange Texte zu lesen.“

„Ein Anschreiben muss kurz und knackig ausfallen“, meint auch Boetticher. Mehr als eine Seite sei einfach zu viel.

7. Die Kandidaten denken nur an sich

Immer wieder liest Rosenfeld in Anschreiben, was sich Bewerber wünschen und was sie interessiert. Von einem solchen Wunschkonzert rät der Personalberater dringend ab. Vielmehr sollten Bewerber sich in die Perspektive des Arbeitgebers in spe hineinversetzen. „Schreiben Sie, wie Sie dem Arbeitgeber bei der Lösung seiner Fehler helfen können“, empfiehlt Rosenfeld.

8. Es gibt keine gute Story

Boetticher betont, dass es sich bei einem Anschreiben um eine Form der Selbstvermarktung handle. „Sie brauchen eine gute Story und einen Aufhänger, um in Erinnerung zu bleiben“, erläutert der Experte. „Es gilt Neugierde zu wecken.“

9. Floskeln statt Fakten

„Kommunikativ, teamfähig und leistungsorientiert“, vor derartigen Floskeln rät Boetticher dringend ab. „Schwafeln Sie nicht, sondern belegen Sie alles mit Ihrem Lebenslauf. Die Personaler wissen, dass viel geschwafelt und gelogen wird und interessieren sich nur für harte Fakten.“ Das beste Beispiel hierfür stellten Englischkenntnisse dar. „Personaler wollen hier lesen, wie Sie Ihre Englischkenntnisse verbessert haben.“ Ein Leistungskurs in Englisch reiche selten; vielmehr wollen die Leute hier möglichst englischsprachige Auslandsaufenthalte sehen. Bewerber sollten in einem Anschreiben auch die Begriffe aus dem Anforderungsprofil nicht 1:1 übernehmen, sondern variieren und jeweils mit Fakten belegen.

10. Redundanzen mit dem Lebenslauf

So mancher Bewerber wiederholt im Anschreiben nur in blumigen Worten Angaben aus dem Lebenslauf. „Dies stellt schon einen respektlosen Umgang mit der Zeit des Mitarbeiters der Personalabteilung dar“, warnt Riske. stattdessen sollte ein Anschreiben hauptsächlich Angaben enthalten, die im Lebenslauf keinen Platz finden. Dazu zählt die Motivationsformel, wieso man sich für Stelle Y beim Arbeitgeber Z bewerbe, die Erläuterung von Auszeiten und kürzerer Arbeitgeberwechsel, die Kündigungsfrist und ggf. die Gehaltsvorstellungen. „Das ist interessant und stiftet Mehrwert“, kommentiert Riske.

Dies ist umso wichtiger, als die Empfänger Bewerbungen nur in den seltensten Fällen mit der Lektüre des Anschreibens anfangen. „Ich beginne im Regelfall mit dem Lebenslauf“, erzählt etwa Riske. „Anschliessend überfliege ich das Anschreiben nur und suche nach relevanten Angaben, die im Lebenslauf nicht enthalten sind.“

Kommentare (1)

Comments
  1. Leider unterschlägt der Autor, dass Personaler genauso oft unscharfe Stellenanzeigen formulieren, dort oft kein Ansprechpartner genannt sind, die Anforderungen gar nicht von Bewerbern zu erfüllen sind, keine Zwischenbescheide beim Vorliegen der Bewerbung erfolgen, Bewerber mit Lügen abgespist werden wie, dass “die Stelle schon besetzt” sei oder flasige und gar keine Absagen zugesandt werden selbst wenn die Neubesetzung schon lange erledigt ist.
    Ich glaube, dass Fehler auf beiden Seiten in gleicher Menge erfolgen, da Bewerber und Personaler schlichr Menschen sind, die nicht anders können.
    Ein bißchen mehr Verständnis und Rücksicht in diesen mühsamen Verfahren, die im Übrigen überhaupt nicht normiert sind, wäre hier sinnvoll!

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