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DER BERATER : Meine NEGATIVEN Erfahrungen mit Headhuntern

Unser Gastautor arbeitet als Consultant im Kapitalmarktumfeld und ist auf der Suche nach einem neuen Job. In einem Blog berichtet unser Kolumnist über seine Erfahrungen bei diesem Unterfangen.

Nun habe ich also meinen englischen CV auf drei einschlägigen Websites eingestellt und mir speziell eine Emailadresse für meine Bewerbungen zugelegt. Jeder, der will, kann mich darüber erreichen, aber meine Anonymität bleibt gewahrt.

Dann harrte ich der Dinge, die da kommen sollten. Zu meiner Überraschung ging es dann ziemlich schnell und ich erhielt reichlich Standard-Emails. Einerseits waren es die deutschen Strukturvertriebe, auf der anderen Seite wollte man mich für Outsourcer in Prag anheuern. Nun war ich aber schon etwas enttäuscht und entschied mich, die nächste “Stufe” anzugehen: Ich schaltete auch meine Handynummer frei.

Zu meiner großen Überraschung stand in den ersten Tagen das Telefon kaum noch still. Es riefen ständig Headhunter an. Zu meiner Überraschung riefen besonders viele Exemplare dieser Spezies aus Großbritannien an. Dort scheint es eine Menge entsprechender Callcenter zu geben. Die meisten davon gingen nach dem immer gleichen Muster vor: Vier bis Fünf Minuten zuhören und dann gleich ein Angebot präsentieren.

Meist war ein solches Angebot nicht sonderlich verlockend und schon gar nicht bei einem Unternehmen, das ich kannte. Sehr häufig war es das “Gleiche in Grün”: ein fast deckungsgleicher Job mit einer geringen Gehaltserhöhung. Nach meiner persönlichen Erfahrung melden sich diese Leute nicht wieder, sobald man einmal absagt.

Ich muss zugeben, dass ich auch den einen oder anderen Kollegen in meine Suche eingeweiht habe. Über diese Kollegen und deren Netzwerke habe ich dann meist Erkundigungen über die potentiellen Arbeitgeber eingeholt und meine eigenen Nachforschungen angestellt. Oft handelte es sich hier um übliche “Mittelständler” der Beratungsbranche, die kein besonderes Profil am Markt haben. Ich möchte hier festhalten, dass ich gegen kleine Beratungen nichts habe.

Ich suche einen Job mit klarem Profil und guten langfristigen Chancen, auch außerhalb der Beratung. Eine dieser kleineren Beratungen scheint indes sehr viel Berater zu suchen, mehr als acht Anfragen in nur vier Monaten. Auch wurde ich jedes Mal darauf hingewiesen, dass ich ja in der Niederlassung in Zürich anfangen könne, wo man morgen ein Büro eröffnen würde. Diese Geschichte wird mir sechs Monate später immer noch aufgetischt. Glaubt also nur, was ihr nachprüfen könnt.

Einige Headhunter telefonieren selbst nur noch. Es gibt wohl ganze Heere von sogenannten Research-Assistenten, die ausgiebig die Online-Jobbörsen nutzen. Diese durchforsten auch Linkedin oder Xing, wobei sie offensichtlich nach Stichwörtern suchen. Meist ging es so weiter, dass der Assistent einen Termin mit dem Chef vereinbarte. Hier ging selten alles glatt. Häufige Anrufe auf der falschen Nummer und oft zu spät. Von diesen Headhuntern würde ich abraten.

Meine Empfehlungen: Schaltet eure Handynummer frei. Rechnet damit, bald angerufen zu werden. Habt einen “Elevator-Pitch” parat, so dass Ihr in ein paar Sätzen die wichtigsten Punkte über Euch und Eure Jobsuche zusammenfassen könnt. Habt einen ruhiges, schallgedämmtes “Telefoneck” parat, in das Ihr öfter am Tag zum Telefonieren verschwinden könnt. Und ganz wichtig: Glaubt nur, was Ihr nachprüfen könnt!

Kommentare (2)

Comments
  1. Diese Einschätzung kann ich nur bestätigen. Meine Erfahrungen bis dato, gehen in die Richtung “Schnell irgendeinen Job vermitteln”, der im Zweifel auch gar nicht zum eigenen CV passt. Ich habe den Eindruck gewonnen, dass es viele Headhunter im Markt gibt, die nur den schnellen Abschluss machen wollen. Eigentlich auch nicht besser als normale Versicherungsvertreter oder Strukturvertriebe.

    Mag sein, dass ich bis dato an die falschen geraten bin. Aber vorerst werde ich lieber wieder auf eigene Faust nach einem adäquaten Job suchen.

  2. Meine Erfahrung ist etwas differnzierter. Ich glaube unterscheiden zu können zwischen 1) Headhuntern 2) Personalberatern 3) Personalvermittlern. ->1) nimmt sich viel Zeit für ein erstes Telefonat, baut keine unnütze Hoffnung auf, hat nie sofort ein Angebot parat, weckt keine übertriebenen Hoffnungen, ist aber durchaus in der Lage, seinen Firmenkunden aktiv Vorschläge zu unterbreiten ->2) hat üblicherweise einen konkreten Suchauftrag, ein erstes, ausführliches Telefonat wird ernst genommen, aber das Stellenprofil ist festgezurrt und Spielräume tun sich selten auf ->3) davon gibt’s wirklich ganze Kohorten und die Kommunikation ist auf eher tiefem Niveau, d.h. irgendetwas anbieten und die Damen und Herren haben ihren “Sitz” irgendwo. Ich schliesse mich dem Gastautor teilweise an: Emails sind einfach hin und her zu senden und ich kann zunächst anonym bleiben. Möchte ich näheren Kontakt, kann ich anrufen – meine Telefonnummer stelle ich gegebenenfalls erst dann zur Verfügung. Bisher wurde ich von der übersichtlichen Anzahl meiner so ausgesuchten Gesprächspartner menschlich und fachlich nicht enttäuscht.

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